über Bad Orb

BAD ORB gehört zum Main-Kinzig-Kreis
Und ist umgeben von den Idyllischen Spessartwäldern, die sehr schöne Naturbelassene Umgebung mit seinen Wiesen und Feldern gibt der Kurstadt eine besondere Ausstrahlung, besonderst in Frühling und Herbst. Auch die vielen Heilquellen und Bäder sowie auch die Kur-Anlagen sind ein besonderes Markenzeichen der Stadt. Orb war jahrhundertelang wegen der Salzgewinnung aus den Solquellen eine reiche Stadt. Das 155 m lange Gradierwerk, diente zur Salzgewinnung: Die Sole rieselte über den Schwarzdorn und wurde mit Hilfe von Wind und Sonne durch natürliche Verdunstung eingedickt (gradiert) und von erdigen Bestandteilen, die um den Dorn herum versteinern, gereinigt. Die Sole ging bis zu zehnmal über die Gradierwerke, bevor sie in die Sudpfanne kam. Die Eindickung diente zur Brennholzersparnis; die Solereinigung dazu, dass man schönes weißes Kochsalz bekam. Heute ist das Gradierwerk ein Freiluftinhalatorium. Durch die Verdunstungskühle und die Salzkristalle in der Luft bildet sich um das Gradierwerk ein Kleinklima, ähnlich dem am Meeresstrand. In Betrieb von Sonntag nach Frühlingsanfang bis ca. November, bei Frost nicht in Betrieb. Erst im 18./19. Jahrhundert fielen die Einahmen wegen der aufkommenden Konkurrenz durch die Steinsalzproduktion weg. 1837 wurde das erste Solebadehaus eröffnet. 1899 wurde die Salzgewinnung endgültig eingestellt und mit dem Ausbau zum modernen Heilbad begonnen. Die staatliche Anerkennung zum Heilbad erfolgte 1909. Die heutige Bedeutung erlangte Bad Orb durch seine vorzüglichen Heilerfolge und durch die Schaffung neuzeitlicher Kultur- und Erholungseinrichtungen ab 1950. Es existierten einmal zehn der Salinen / Gradierwerk doch durch den Krieg ist nur noch eine erhalten geblieben, die aber auch besonderst für Asthma, Schnupfen, Heiserkeit und Pollenallergien erkrankten Linderung versprechen soll.

Die erste urkundliche Erwähnung des Namens Orb war 1059 in einer Grenzbeschreibung des Wildbannes für das Kloster Fulda, erste Erwähnung des Ortes und der Salzquellen 1064. Als Stadt im Reisbesitz von Kurfürst von Mainz wir Orb erst 1292 urkundlich erwähnt. Später war Orb Lehen der Herren von Büdingen, nach ihrem Aussterben 1274 fiel es an die Herren von Trimberg und Brauneck. Von diesen erwarb Kurmainz die einzelnen Anteile zwischen 1313 und 1328. Von 1428 bis 1564 an Hanau verpfändet, 1649 wieder mainzisch, wiederum verpfändet zwischen 1665 und 1721. Über Jahrhunderte hatten mehrere Rittergeschlechter Besitzungen in Orb. 1803 kam Orb zum Fürstentum Aschaffenburg, von 1810 bis 1813 Zugehöigkeit zum Großherzogtum Frankfurt und ab 1814 bayrisch. Die bayrische Zeit endete 1867, als Orb an Preußen abgetreten wurde. Seit 100 Jahren darf sich Orb offiziell als "Bad" bezeichnen. Der Titel, den die preußische Regierung am 8. April 1909 beurkundete, schmückte allerdings schon Jahre zuvor die ersten Postkarten aus dem Spessart. Und die Stadt feierte ihr 150. Heilbadjubiläum bereits 1987. Anlass: die Eröffnung der ersten "Soolbadanstalt" im Juni 1837 durch den Apotheker Franz Leopold Koch. Von einem nennenswerten Wirtschaftszweig war die Heilmittelverabreichung da allerdings noch Jahrzehnte entfernt. Das änderte sich an der Schwelle zum 20. Jahrhundert allmählich, als die ersten Voraussetzungen für den Aufschwung geschaffen wurden.

Am 1. Dezember 1898 schloss die Küppelsmühle mit der AOK Frankfurt einen der ersten Rehabilitationsverträge der deutschen Sozialversicherung. 1899 brachten neun Frankfurter Firmen und Geschäftsleute, darunter das Bankhaus Bethmann sowie die Commerz- und Discontobank, fast eine Million Goldmark für die Bad Orb GmbH auf. Daraufhin riss man den kompletten Salinenbetriebshof mit Ausnahme des Gradierwerks Nummer X ab und legte auf dem Gelände den Kurpark in seiner heutigen Form an. Landschaftsarchitekten waren die Gebrüder Siesmayer, zu deren Referenzen der Frankfurter Palmengarten oder der Kurpark in Homburg gehörten. Am 18. Mai 1900 eröffnete das drei Millionen Goldmark teure Kurhotel mit 80 Zimmern. Für elektrischem Licht, Zentralheizung, Lift und Telefon wurde eigens ein Elektrizitäts- und Wasserwerk errichtet. Im Stadtgebiet waren Strom und Wasseranschluss noch fremd. Den Investoren bescherte der Kurbetrieb nicht die erhoffte Rendite. Obgleich Orb am 23. Mai 1901 auch Anschluss ans Bahnnetz erhielt, blieb der erhoffte Besucherstrom zunächst aus. 1903 wurden 2862 Kurgäste gezählt. Da hatten sich die Geldgeber bereits mit hohen Verlusten aus der Gesellschaft zurückgezogen. Im Dezember 1903 übernahm der Arzt und spätere Kurdirektor Franz-Josef Scherf mit dem Sanitätsrat Dr. Hufnagel und dem Gründer der Küppelsmühle-Klinik, Heinrich Freund, den schlingernden Badebetrieb und schuf weitere Einrichtungen. Nun erkannten auch Einheimische die Zukunftsperspektive und bauten Privathäuser und Pensionen. 1913 übernahm die Stadt aus dem Erlös von Waldverkäufen und der zwangsweisen Veräußerung der Wegscheide, die kaiserlicher Truppenübungsplatz wurde, die Mehrheit der Gesellschaft.

Der Weg zum bekannten und phasenweise größten Privatbad Deutschlands war aber immer noch weit. Krieg, Inflation und Weltwirtschaftskrise verzögerten die Blütezeit. Erst als Krankenkassen und Rentenversicherungsträger breiteren Schichten den Kuraufenthalt ermöglichten, wurden die mehrwöchigen Badekuren und die Verabreichung von Naturheilmitteln zum Geschäft. In den 50er, 60er und 70er Jahren stieg die Übernachtungszahl auf bis zu 1,5 Millionen pro Jahr. Die 80er Jahre kehrten den Trend wieder um. Bad Orb besitzt aber auch eine gut erhaltene Altstadt mit vielen Fachwerkhäusern und der Stadtbefestigung (Stadtmauer) Die zum teil renoviert wurden.

Kneipp-Anlagen:
Kneipp-Kuren und -Anwendungen sind heute wieder stark im kommen. Denn was schon Kneipp über die Heilkraft des Wassers wusste, kann auch von modernsten Erkenntnissen unterstützt werden. Sebastian Kneipp pries bereits vor über 100 Jahren die wohltuende Wirkung von Wasser auf die Gesundheit an. Das Wassertreten ist eine besonders beliebte Form der Hydrotherapie (Wassertherapie) von Pfarrer Kneipp. Dabei ist die Anwendung denkbar einfach: Schreiten Sie im Storchengang rund 30 Sekunden lang in kaltem Wasser hin und her. Danach die Füße außerhalb des Wassers sich kurz wieder erwärmen lassen und den Gang wiederholen.

Im Haseltal:
Frei-Anlage mit Holztrögen für Wassertret und Armtauchbecken

Im Orbtal:
Frei-Anlage mit Wassertret- und Armtauchbecken

Im Kurpark:
Frei-Anlage mit Wassertret- und Armtauchbecken

Spessartwildpark im Orbtal:
Erreichbar auf zwei schönen Spazierwegen oder mit dem Lettgenbrunn-Bus ab Salinenplatz. Zu bisher Damwild und Mufflons sind neu hinzugekommen: eine urtümliche Wisent-Familie, Rot und Sikahhirsche, Wollschweine, Esel und ein Haustierstreichelzoo für Kinder.

Wartturm:
Der 9 m hohe Wartturm thront über der Stadt auf dem 293 m hohen Molkenberg und ermöglicht einen beeindruckenden Blick über Bad Orb bis zum Kinzigtal und bei klarem Wetter bis in den Vogelsberg mit dem Hoherodskopf.

Das Kleinste Haus von Orb:
Das kleinste Haus wird von dem Künstler Helmut Jahn bewohnt, einem renommierten Vertreter des abstrakten Expressionismus, dessen Monumentalwerk "Augengarten" (7x32 Meter) sowohl auf der Landesgartenschau als auch im Frankfurter Hauptbahnhof gezeigt wurde.

Kirchen
Es gibt zwei katholische Gotteshäuser, St. Martin und St. Michael, Die ältere St. Martinskirche thront über der Altstadt von Orb und ist aus dem Stadtbild nicht mehr wegzudenken. In den 60er Jahren wurde auf der anderen Seite der Stadt die Kirche St. Michael eingeweiht, um der steigenden Bevölkerungszahl gerecht zu werden. Wie die St. Martinskirche an einer erhöhten Stelle erbaut, bildet die St. Michaelskirche einen Gegenpol zur alten Pfarrkirche, nicht zuletzt wegen der in ihrer Anwendung findenden modernen Architektur. Der bekannte Architekt Johannes Reuter aus Kassel-Wilhelmshöhe gestaltete die zweite Kirche von Orb als 12 Meter hohe Halle mit dem Grundriss eines ungleichmäßigen Hexagons.

Bad Orb hat aber auch ein evangelisches Gotteshaus, die Martin-Luther-Kirche wurde 1902 - 1903 im neugotischen Stil errichtet. Die letzte Kaiserin Auguste Viktoria stiftete mit eigenhändiger Widmung zur Einweihung die noch vorhandene Altarbibel, die nun im Museum zu besichtigen ist. Im Turm zwei Leihglocken, aus Schlesien und Ostpreußen stammend. Ab 1982 erhielt sie nach der Renovierung Arbeiten den Namen des Reformators Martin Luther.

Regelmäßige Veranstaltungen:
Zu den regelmäßigen Veranstaltungen zählen die Lichtermeere im Kurpark, Führungen auf dem Barfußpfad, die Kunstausstellung "Dialog der Elemente", der Faschingsumzug, der Sankt-Martins-Umzug, der Weihnachtsmarkt, die jährliche Spessart-Challenge, der Ostermarkt, die Kerb (Kirchweihfest) und das jährliche Johannesfeuer am Wartturm. Ein wichtiges Fest ist auch das Gradierwerkfest am 3. Oktober, hier geht es um die Erhaltung der Saline. Auf dem Gradierwerkfest und am Kerbsonntag findet mittlerweile traditionell ein freies Oldtimertreffen für Motorräder und Autos der letzten einhundert Jahre statt.

Außerdem finden seit Jahrzehnten große, überregionale medizinische Fachtagungen statt, wie z. B. der Kinderärztekongress, die Jahrestagung der Hausärzte "Practica" und die Tagung "Klinische Hypnose" der Milton-Erikson-Gesellschaft.

Ein sportliches Highlight, welches jedes Jahr stattfindet ist der Engel's Run 4 Fun. Bei diesem Firmenlauf werden von der Engel AG, einem ortsansässigen Zustellunternehmen, zahlreiche Betrieb aus der Umgebung eingeladen um sich sportlich, über eine Distanz von 3,2 km, miteinander zu messen und anschließend in gemütlicher Atmosphäre einen kollegialen Abend zu verbringen.

Musikalischer Höhepunkt ist das alle zwei Jahre stattfindende Internationale Musikfest der Jugend“, welches in geraden Jahren am zweiten September Wochenende stattfindet. 2006 nahmen 20 Musikkapellen aus 6 Nationen mit rund 1.000 Musikern daran teil.

Historischer Stadtrundgang
mit über 33 Stationen, alle Gebäude tragen ein Schild mit Stations-Nr. und Kurzbeschreibung.

Der Spessart:

Der SPESSART ist ein Mittelgebirge im westlichen Deutschland. Der Name leitet sich etymologisch aus Specht und Hardt "Bergwald" her, steht also für "Spechtswald".

Bevölkerung
Die Bewohner des Spessart sind Franken, die nach ihrem Vordringen vom Rhein nach Osten mit den hier ursprünglich ansässigen Alemannen verschmolzen. Eingewanderte Slawen gingen vollständig im fränkischen Volksstamm auf.

Allgemeines
Der Spessart ist ein Mittelgebirge im westlichen Mitteleuropa. Der Specht hat dem Spessart (Spessart, im Nibelungenlied Spechteshart, "Spechtswald") seinen Namen gegeben. Noch heute dient der Schwarzspecht als Symboltier der Region. Der Spessart gehört zu den derzeit 93 Naturparks in Deutschland. Er bildet das größte zusammenhängende Mischlaubwaldgebiet in Deutschland. Seine äußersten Verzweigungen erstrecken sich bis Hanau, Schlüchtern und dem Sinntal. Er erstreckt sich über 2440 km² Fläche, davon gehören zu Bayern 1.710 km², zu Hessen 730 km². Die Hauptmasse des Spessart besteht aus Granit, Gneis und Glimmerschiefer mit aufgelauertem roten und gefleckten Sandstein sowie Buntsandstein. Geologisch gesehen ist der Spessart ein recht junges Gebirge. Das Grundgebirge bildete vor 500 bis 700 Millionen Jahren kristallines Gestein, das im nordwestlichen Spessart zu Tage tritt. Das Kommen und Gehen von Meeren hinterließ bis vor 200 Millionen Jahren Ablagerungen, die heute das bis zu 400 m mächtige Deckgebirge aus Buntsandstein bilden. Umwelteinflüsse und Erosion gaben dem Spessart sein heutiges Aussehen mit Plateau und tief eingeschnittenen Tälern. Die Ton- und Lehmschichten verhindern ein schnelles Versickern des Wassers und machen den Spessart zu einem quellenreichen Mittelgebirge. Während im Innern nährstoffarmer Boden vorherrscht sind an den Randlagen zum Main hin die Böden ertragreicher. Der Main trennt den Spessart im Osten von der Fränkische Platte und im Süden vom Odenwald. Der Spessart wird im Norden durch die Kinzig vom Vogelsberg und im Nordosten durch die Sinn von der Rhön geschieden. Der äußere Saum längs des Mains, namentlich im Westen, wird als Vorspessart bezeichnet. Das innere, aus dicht zusammenschließenden Bergen bestehende Waldgebirge, welches keine breite Bergebene aufweist, heißt Hochspessart. Die plateauartige Absenkung zur Kinzig und nach Kahl am Main ist der Hinterspessart. Der Hinterspessart umfasst auch das sogenannte Orber Reisig, mehrere mit Eichengebüsch bedeckte Anhöhen, die sich bis zur Stadt Bad Orb erstrecken. Der geschichtliche und reale Hintergrund des Grimmschen Märchens von Schneewittchen wird ebenfalls im Spessart angesiedelt.

Geschichte
Der Spessart hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Die frühesten Spuren menschlicher Besiedlung reichen bis in die Bronzezeit (ca. 1800 bis 750 v. Chr.) zurück. Am Südrand des Spessart sind Ansiedlungen aus der Halsstatt-Zeit (ca. 750 bis 450 v. Chr.) und durch eindringende Kelten aus der La-Tène-Zeit (ca. 450 bis 50 v. Chr.) nachzuweisen. Zwischen etwa 80 bis 260 n. Chr. ist der Westen des Spessart Grenzland des Römischen Imperiums. In dieser Zeit entstanden am Main strategisch wichtige Kastelle (in Miltenberg, Obernburg, Hanau etc.). Im 3. Jahrhundert drangen Burgunder und vom 5. Jahrhundert an aus dem Süden zurückströmende Alemannen ein, zu deren Gründungen Aschaffenburg, Gemünden und Lohr zu rechnen sind. Die Alemannen wurden ab dem 6. Jahrhundert von den aus Westen eindringenden Franken aufgesogen. Von dieser Entwicklung blieb der eigentliche Spessart unberührt, ein undurchdringliches Waldgebiet ohne Besiedlung. Unter dem Frankenkönig Karl dem Großen (747 bis 814, Kaiser seit dem 25. Dezember 800) wurde der Spessart königlicher Bannwald, war somit nur zur Jagd vorgesehen.

Mit dem Einzug des Christentums kam das Waldland in den Besitz von Klöstern und Stiften wie den Benediktinerabteien Neustadt am Main, Seligenstadt und Amorbach sowie der Augustinerprobstei Triefenstein, die als vorgeschobene Bastionen der kirchlichen Zentren Mainz und Würzburg kulturelle und wirtschaftliche Aufbauarbeit leisteten. Kaiser Otto II. schenkte dem Mainzer Erzbischof Willigis weite Teile des Spessart. In der Folge waren über Jahrhunderte die Mainzer Erzbischöfe die wichtigsten Landesherren im Spessart. Auch unter ihnen blieb der Kern des Spessart weiterhin kaiserlicher Bannforst. Erst ab dem 12. und 13. Jahrhundert duldeten sie eine kontrollierte Besiedlung des Spessart. Der Spessart wurde immer von außen regiert. So wurde er beherrscht durch das Erzbistum Mainz, das Hochstift Würzburg sowie einiger anderen Grafengeschlechtern. Eine eigenständige Entwicklung nahm die Freie Reichsstadt Gelnhausen. Die politische Zersplitterung des Spessart hatte bis zum Vorabend bedeutender Territorial Veränderungen im Gefolge der Kriege gegen das revolutionäre bzw. napoleonische Frankreich (1792 bis 1813 / 1815) und der damit einhergehenden Säkularisation von geistlichen Besitztümern (1803) sowie der Mediatisierung (1803 bis 1806) bestand. Des weiteren begünstigte diese politische Zersplitterung ohne grenzübergreifende Strafverfolgung das Aufkommen von Räuberbanden, die spätestens seit dem Anfang des 19. Jahrhunderts urkundlich belegt sind. In der Umbruchzeit um den Zusammenbruch des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation (1801 bis 1806) erlebte das Räuberunwesen im Spessart sowie im restlichen Deutschland einen letzten Höhepunkt. Nach Neuordnung der Territorien bis 1815 und mit wirksameren Verwaltungen wurde das Räuberproblem in kürzester Zeit bereinigt. Im Zuge des 1. Koalitionskrieges wurde Mainz im Jahr 1792 durch französische Revolutionstruppen besetzt. Das Kurfürstentum Mainz hörte damit faktisch auf zu existieren. Mit dem Reichsdeputationshauptschluss vom 25. Februar 1803 und den darauf folgenden territorialen Flurbereinigungen endeten das Kurfürstentum Mainz und das Hochstift Würzburg endgültig. Ein Großteil des Spessart kam infolgedessen zum neugegründeten Fürstentum Aschaffenburg unter Karl Theodor von Dahlberg. Ab dem 16. Februar 1810 wurde dann das Fürstentum Aschaffenburg gemeinsam mit anderen Territorien zum Großherzogtum Frankfurt unter Karl Theodor von Dahlberg zusammengeschlossen. Nach Ende der Napoleonischen Kriege (1813 / 1815) und der Auflösung der Zentralverwaltung für das Großherzogtum Frankfurt am 26. Juni 1814 fällt Aschaffenburg und Umgebung im Rahmen der Verhandlungen des Wiener Kongresses an das Königreich Bayern. Der ehemalige Zehnt Somborn, Besitz der Grafen von Hanau und schon früher dem Landgrafen von Hessen-Kassel zugefallen, blieb hessisch und gelangte 1866 in den Besitz Preußens.

Aber auch heute noch ist der Spessart aufgeteilt in vier Landkreise in zwei Bundesländern. Bayern: Aschaffenburg, Miltenberg und Main-Spessart. Hessen: Main-Kinzig-Kreis.

Wirtschaft
Der Spessart verfügte neben einer wenig ertragreichen Landwirtschaft über Ressourcen wie Holz, Wasserkraft, Salz, Erze und Mineralien. Diese Faktoren bildeten die Grundlage für Köhler, Töpfer, Eisenhämmern und Bergwerke. 1795 kaufte Georg Ludwig Rexroth den Höllenhammer im Elsavatal und produzierte Eisenartikel für Landwirtschaft und Handwerk. Nach dem Umzug nach Lohr entwickelte sich daraus ein Weltunternehmen für Hydraulik, welches in der heutigen Bosch Rexroth AG aufgegangen ist. Die Glasprodukte und Spiegel aus Spessarter Glashütten wurden europaweit vertrieben. Noch heute ist in Lohr eine Glashütte in Betrieb. Der Spessart war durchzogen von vielfältigen Handelswegen, aus denen die Landesherren Zolleinnahmen erzielten. Die vielen Kirchen und Klöster, Burgen und Schlösser bezeugen durchaus prosperierende Zeiten.

Die berühmt berüchtigten Frammersbacher Fuhrleute zogen von hier aus durch ganz Europa. Mit der Ausbreitung der Eisenbahn und der Verbesserung der Flussschifffahrt seit Mitte des 19. Jahrhunderts ging jedoch die Zunft der Fuhrleute wirtschaftlich nieder. über die Jahrhunderte war der Spessart auch unterschiedlich stark bewaldet. Bereits mit der Salzgewinnung und dem damit verbunden Siedevorgang (Verdampfung der Sohle durch Befeuerung) sowie durch das Betreiben der zahlreichen Eisenhämmer und der aufblühenden Glasindustrie im 18. und 19. Jahrhundert und dem hiermit einhergehenden hohen Holzkohleverbrauch nahmen die bewaldeten Flächen außerordentlich schnell ab. Aus diesem Grund wurde seit dem 18. Jahrhundert eine systematische Wiederaufforstung betrieben. Mit dem Niedergang der Eisen- und Glasindustrie Ende des 19. Jahrhunderts und dem Rückgang der landwirtschaftlichen Nutzung der unteren und mittleren Hänge seit der Mitte des 20. Jahrhunderts hat der Wald weite Teile des Spessart wieder zurückerobert. Mit der industriellen Revolution ab der Mitte des 19. Jahrhunderts gerieten die meisten Mittelgebirge wirtschaftlich ins Hintertreffen. Verbesserte und billigere Transportwege erlaubten den Absatz billigerer Waren aus den großen Zentren in die entlegensten Winkel. Der Spessart verarmte. Noch zu Anfang des 20. Jahrhunderts waren der Spessart nebst der Rhön und dem Bayerischen Wald die Armenküchen Bayerns. Der Dreiklang Wald, Armut und Spessarträuber ist im Bewusstsein der Menschen haften geblieben, obwohl das nur eine kurze Phase im Auf und Ab der Entwicklung darstellte.

Die Spessarträuber Märchenlandschaft oder Räuberwald?
Im Spessart hatte das Märchen schon immer eine Heimat. Weniger die Schreiblust der Erzähler war daran schuld, sondern vor allem die Spessartbauern, die in ihren Dörfern keinen Reichtum kannten und die sich deshalb Gestalten ihrer Phantasie in die kargen Stuben holten, wenn die Abende lang waren und die Wald und Feldarbeit keinen Einsatz mehr erforderte. Das triste Leben der Bauern wandelte sich in den Erzählungen zu glücklicher Daseinsfreude. Die spannenden Geschichten von Räubern, Fuhrknechten und Postreitern waren keine erfundenen Berichte, sondern wahre Begebenheiten, die gerne, vielfach mit interessanten Details ausgeschmückt, in den Schenken und Poststuben erzählt worden sind. Doch der Nachwelt sind die Räuber und ihre Untaten nur aus den Romanen bzw. Märchen der Literaten bekannt geblieben.

"In des Waldes düstern Gründen, in den Höhlen tief versteckt..." Christian August Vulpius, Goethes nicht zu Unrecht vergessener Schwager, schrieb 1798 die erfolgreichste Räuberschnulze seiner Zeit, den Rinaldo Rinaldini. Als 1803 Johannes Bückler (alias Schinderhannes) in Mainz das Fallbeil traf, blühte in den deutschen Lesestuben eine fröhliche Räuberromantik. Schiller war ihr unfreiwilliger Vater. Mit seinem Karl Moor aus dem Schauspiel »Die Räuber« von 1781 kam kein Räuberhauptmann vorbei, der beim Publikum etwas werden wollte. Wilhelm Hauff hielt sich mit dem Märchen »Das Wirtshaus im Spessart« von 1826 gleichfalls daran. Jener "schöne, stattlich gekleidete Mann von etwa sechsunddreißig Jahren", der kurz nach Mitternacht das einsame Wirtshaus im Spessart betritt, um die Gräfin zu rauben, ist uns sogleich sympathisch. Er hat Manieren, er entschuldigt sich: "Sehen Sie in mir keinen gemeinen Dieb, keinen Kehlabschneider. Ich bin ein unglücklicher Mann, den widrige Verhältnisse zu diesem Leben zwangen." Brav gesprochen, Mann, so liebt das Volk seine Räuber! Dreck am Stecken, aber edel im Gemüt. Wilhelm Hauff ist der Erfinder des schönsten und besten Räuberhauptmanns: "Ich fand einen gar wundersamen Wald, eine Schenke so recht zum Verweilen und Träumen, und in den Erzählungen der Reisegefährten geisterten wilde verwegene Gesellen, die mich neugierig machten und schreckten." Als der junge Dichter 1826 den Spessart bereiste, war es mit der Räuberei schon längst vorbei. Doch seit Hauff weiß jedes Kind Bescheid: Spessartwald = Räuberwald. Obgleich die Wahrheit verblasst vor der Kunst. Die echten Räuber verstanden sich wohl nicht aufs Lesen und wussten gar nicht, was das war: Räuberromantik. Ein elendes Leben und ein elender Tod.

Die Spessartstraßen
Die alten Straßen, die im Mittelalter einst wichtige Verkehrswege waren, sind heute bedeutungslos. Der Spessart wie auch die angrenzenden Regionen Odenwald, Wetterau, Büdinger Wald, Vogelsberg und Rhön war bei den Reisenden im ausgehenden 18. und frühen 19. Jahrhundert gefürchtet. Wer damals auf den schlecht bestellten Straßen in Kutschen, auf Fuhrwerken oder zu Fuß unterwegs war, den trieb weniger die Reiselust als vielmehr wirtschaftliche oder berufliche Notwendigkeiten. Kaufleute aus Nürnberg oder Schweinfurt beispielsweise brachten ihr Handelsgut auf die Frühjahrs- und Herbstmesse nach Frankfurt und kehrten mit Rohstoffen zurück, Handwerksburschen auf der Walz suchten neue Meister, Kuriere überbrachten zu Pferd Depeschen, die Thurn und Taxisschen Postkutschen fuhren die Poststationen an, Hausierer und Hausiererinnen zogen durch das Land und boten in den Dörfern ihre Waren feil. Kurzum: Es herrschte reger Verkehr auf den zahlreichen Handelswegen und Heerstraßen und ihren Auf- und Abfahrten im Spessart: Zu nennen wären hier die Birkenhainer Straße (Hanau-Gemünden), der Eselsweg (Schlüchtern-Rohrbrunn-Miltenberg), die Kauffahrteistraße (Wirtheim-Wiesen-Lohr), die Lohrer Straße (Aschaffenburg-Rothenbuch-Lohr) oder die Alte Poststraße (Nürnberg-Würzburg-Aschaffenburg-Frankfurt), später auch Spessarter Chaussee genannt. Die Bewegung von Waren, Geld und betuchten Leuten durch den Wald ohne Anfang und Ende“ lockte aber auch eine Menge lichtscheues Gesindel an. Die Angst vor der Durchquerung dieser als gefährlich bekannten Landschaft spiegelt sich in jenem legendären Stoßgebet eines Nürnberger Kaufmanns (um 1800) wider, das heute noch gerne kolportiert wird: "Lieber Gott, du hast mir aus dem Mutterleib geholfen, du wirst mir auch über den Spessart helfen!"

Die Alte Poststraße
Die Alte Poststraße, später auch Spessarter Chaussee genannt, ist in ihrer ursprünglichen Form noch erhalten und erzählt die Geschichten von Postreitern, Pferdeknechten, reitenden Boten und fahrenden Posten. Die Straße führt mitten durch den Spessart, war die kürzeste Verbindung zwischen Frankfurt und Würzburg und deshalb als Postroute geeignet. Die Straße, einst ein beschwerlicher Weg, entstand am Beginn des 17. Jahrhunderts.

Als die Straße einigermaßen in Ordnung war, übernahmen kaiserliche Postreiter den Kurierdienst. Es waren mutige Kerle, die sich nicht darum scherten, wer hinter ihnen her war. Sie mussten sich mit dem Gesindel der Straße herumschlagen, aber sich kapitulierten nicht. Die Postroute von Frankfurt nach Aschaffenburg und von hier aus über Rohrbrunn, ab 1790 auch über Hessenthal (heute Ortsteil von Mespelbrunn), wo sich jeweils eine Pferdewechselstation befand, bis nach Würzburg und Nürnberg blieb bestehen.

Die Birkenhainer Straße
Sie zieht vom Frankfurter Raum aus hinauf zur Wasserscheide zwischen Kinzig und Kahl, klettert von Flörsbach und Lohrhaupten zum alten Zollhaus Bayerische Schanz und windet sich von der Hermannskoppe kurvenreich hinunter nach Gemünden. Einst hieß diese Straße “Via exercitalis“; es war eine Reichs, Herr, und Königsstraße und sie diente den Herren und den Knechten. Auf ihr zogen die Kurfürsten von Mainz und die Grafen von Hanau in ihre Jagdreviere. Aber auch Kaufleute, die den Umweg über die Maintalstraße scheuten, wagten sich meist mit Geleit auf die alte Handelsstraße, um von Frankfurt und Hanau aus bis nach Gemünden an den Main und weiter bis nach Würzburg und Nürnberg zu kommen.

Der Eselsweg
Am Greifsberg, unweit der bayerisch-hessischen Grenze, kreuzt ein anderer berühmter Spessartweg die Birkenhainer Straße. Es ist der Eselsweg die Straße des weißen Goldes. Der Eselsweg nimmt bei Schlüchtern im Kinzigtal seinen Anfang und führt bis nach Miltenberg. Als “Via asinina“ ist dieser Weg in die Geschichte eingegangen. Die Esel, die auf diesem Weg das Salz der Saline Orb nach den südlichen kurmainzischen Orten brachten, verhalfen der Straße zu ihrem Namen. Die Straße berührt besonders schöne Waldgebiete, streift Rothenbuch und Weibersbrunn, kreuzt bei “Echterspfahl“ die Straße Aschaffenurg-Lohr, schlängelt sich durch den Rohrbrunner Forst hinunter nach Schollbrunn und erreicht bei Miltenberg den Main. Der Weg führt in einer Höhe von 400 bis 500 Metern fast ausschließlich durch dichten Laubwald und erstreckt sich 111 km. Der Eselsweg hatte weder als Heer noch als Geleitzugstraße große Bedeutung. Auf ihm marschierten keine Soldaten; er lag außerhalb der Reiserouten der Kaufleute, die zur Frankfurter Messe wollten. Wer aus dem Kinzigtal, vom Vogelsberg oder von der Rhön nach Süden wollte, bevorzugte andere Strecken, die weniger gefährlich waren und nicht so weitabgeschieden in der Landschaft lagen.

So blieb der Eselsweg vor allem denjenigen vorbehalten, die Mut genug besaßen, die einsamen Straßen zu benutzen. Das waren die Frammersbacher Fuhrleute, die den Güterverkehr (vor allem Salz und Glasprodukte) von Nord nach Süd besorgten und die auch mit den verwegensten Gesellen handelseinig wurden. Ein Fuhrmann machte nicht viel Umstände, wenn ihm ein Hindernis in den Weg gelegt wurde. Seine Hand war gefürchtet. Das wussten die Wegelagerer und all das andere Gesindel, welches die Straße als Freiland betrachtete. Man legte sich ungern mit den “Hauderen“ wie die Fuhrleute genannt wurden an, man ließ sie ziehen. Ihnen verdankt der Eselsweg seine Legenden und den kleinen Ruhm, der die Jahrhunderte überdauert hat.

Raubüberfall mit weitreichenden Konsequenzen
Auf der oberen Bergstraße zwischen Laudenbach und Hemsbach wird in der Nacht zum 1. Mai 1811 eine Kutsche angehalten und geplündert. Sechs Räuber verstellen ihr den Weg, werfen den Kutscher vom Bock und zerren die Reisenden aus den Polstern, zwei Schweizer Kaufleute, die von der Frankfurter Ostermesse kommen. Leichtes Spiel, keine Gegenwehr, und Trotzdem: Ein Räuber verliert die Nerven. Jacob Rieder aus Winterthur, 45 Jahre alt, Vater sechs Kinder, wird barbarisch niedergeknüppelt. Er bleibt mit mehrfachem Schädelbruch bewusstlos auf dem Waldweg liegen. Nachdem die Tat entdeckt ist, bringt man ihn eilig in das Heidelberger Hospital, wo er vier Tage später stirbt. Die Empörung ist groß. Die hessischen und badischen Behörden eröffnen wütend das Kesseltreiben gegen die Räuberbande, die nur wenig Spuren hinterlassen hat: Eine Feuerstelle, einen weggeworfenen Knüppel, blutbeschmiert, ein Kopftuch mit den Initialen des Opfers.

Aber es gab nicht den geringsten Zweifel, wo man die Mordgesellen zu suchen hatte. Tatverdächtig waren, wie immer, alle heimatlosen Vagabunden, die unnütz durch die Dörfer im Odenwald und Spessart zogen. Eben die Trödler, Gaukler, Zigeuner, Maulwurffänger, Spieler, Quacksalber, Bettler und Diebe, das Lumpengesindel der Straße, dem nun die Stunde der endlichen Ausrottung vorbestimmt war. Der Kriminalfall Rieder kam der Obrigkeit somit nicht ungelegen. Ein willkommener Anlass die letzte große Räuberjagd “an beiden Ufern des Mains, im Spessart und im Odenwalde“ ins Leben zu rufen. Razzien, Untersuchungen, Prozesse und Schafott waren die unweigerliche Konsequenz. Das böse Vorurteil bestätigte sich bald. Unter den ersten Herumtreibern, die vor den "peinlichen Richter" in Darmstadt geschleppt wurden, war ein gewisser Valentin Schmitt. Argwöhnische Bauern hatten ihn auf dem Weg nach Aschaffenburg festgehalten. Verraten hatte er sich dadurch, dass er sein Bündel wegschmiss und ausreißen wollte. Da dachten die Bauern gleich: “Der hat was zu verbergen.“ Valentin Schmitt gab sich später als der steckbrieflich gesuchte Veit Krämer zu erkennen. In Heidelberg, wohin er zum weiteren Verhör überstellt wurde, gestand er seine Beteiligung an dem Raubüberfall und nannte die Namen von Komplizen. Bald hatte man gegen hundert Landstreicher arretiert, schuldig oder nicht. Es war damals nicht leicht ihre Identität festzustellen, sprich ihre Herkunft oder ihre Namen zu erfahren; denn sie kannten sich auch untereinander oft nur bei ihren Spitznamen. Der Heidelberger Stadtdirektor Dr. Pfister, der sich schon während der Untersuchung beeilte, ein Buch mit dem Titel "Actenmäßige Geschichte der Räuberbanden ..." zu veröffentlichen, klagte zum Beispiel: "Bei Leuten dieser Art, welche keine bleibende Stätte haben, täglich in anderen Hütten oder Schopfen oder im Freien hausen, fällt es sehr schwer, irgendeinen Beweis über ihre Familienverhältnisse aufzubringen."

Man hatte mittlerweile Peter Petry (alias Schwarzer Peter) gefangen genommen, der noch ein Genosse des Johannes Bückler (alias Schinderhannes) war, und man hatte die Orthweis entlarvt, die zu dieser Zeit die Spitzin genannt wurde und Beischläferin des Georg Philipp Lang (alias Hölzerlips) war. Gegen die Spitzin lag ein Todesurteil vor, gefällt vom Kaiserlich Französischen Gericht über Rhein. Auch den Hölzerlips hatte man inzwischen erwischt. Er war kein ungebildeter Kopf, von großer Leibesstärke, grausam, boshaft und jähzornig und zudem ein Haupträuber. Zu den Haupträubern wurden auch Philipp Friedrich Schütz (alias Manne-Friedrich), Andreas Petry (alias Köhler Andres) und Sebastian Lutz (alias Basti) gerechnet. Sie alle waren beim Raubüberfall in der Nacht zum 1. Mai 1811 dabei gewesen. Der Basti hatte sich bis Wertheim durchgeschlagen, als er aufgegriffen wurde. Auch er wurde wie die anderen zu Heidelberg in Ketten gelegt. Er unternahm noch einen verzweifelten Versuch, die Freiheit wiederzugewinnen, dem Scharfrichter davonzulaufen. Es gelang ihm die Ketten zu lösen uns sich aus der Zelle abzuseilen. Nur im bloßem Hemd gekleidet, begab er sich auf die Flucht. Vor den Bauern, die er anbettelte, spielte er den Schwachsinnigen, um seinen Aufzug zu erklären. Jedoch vergeblich. In Fürth im Odenwald wurde er erneut festgenommen. Die Folter war in jenen Tagen bereits abgeschafft. Geständnisse durften nicht mehr gewaltsam erpresst werden. Jedoch war es legal einen Gefangenen eng und enger zu schließen. Das hieß, die Häftlinge wurden bei karger Kost in engen, zugig-kalten und feuchten Löchern mitunter über Jahre weggesperrt. Aber stärkste Belastung im Gefängnisalltag brachten weiterhin die Verhöre. Noch im 19. Jahrhundert konnten die Inquirenten die Daumenschrauben zur Wahrheitsfindung anordnen. Der Heidelberger Stadtdirektor Dr. Pfister verfolgte mit seinem Früh-Werk den Zweck, "das Publikum von der Verfahrensweise dieser Räuber zu unterrichten, die noch freien Glieder der Bande kenntlich zu machen, dadurch ihre Beifangung zu erleichtern und so die öffentliche Sicherheit zu vermehren". über die Haftbedingungen sagte er nichts und so kann man nur erahnen, warum Stephan Heusner (alias Langbeiniger Steffen) und einige andere sich im Gefängnis erhängten.

Resultat des Raubüberfalls in der Nacht zum 1. Mai 1811 und der darauf einsetzenden Räuberjagd war u.a., dass vier Räuber zum Tode verurteilt und am 31. Juli 1812 in Heidelberg enthauptet werden. Dem Hölzerlips hatte man zwei Morde und 152 Fälle von Raub und Straßenraub zur Last gelegt. Zusammen mit dem Hölzerlips verlieren Manne-Friedrich, Mathes Oesterlein (alias Krämer-Mathes) und Veit Krämer den Kopf. Die beiden Komplizen, Basti und Köhlers Andres wurden wegen ihres jugendlichen Alters vom Großherzog Karl von Baden (1786 bis 1818) in letzter Minute am 31. Juli 1812 begnadigt.

Als die Räuberjagd zu Ende ging, sah man klarer. Eine große, organisierte Räuberbande gab es nicht, weder im Vogelsberg noch im Spessart oder im Odenwald. Auch keinen Räuberhauptmann weit und breit. Man hatte es mit einem verlorenen Häuflein streunender Galgenvögel zu tun. Es waren entweder zugewanderte Strolche oder "auch eigene Landesunterthanen, Bewohner der nächsten Orte", die als Mitwisser, Diebe, Hehler in Erscheinung traten. Viele Pläne wurden nicht gemacht. Die Räuber bildeten wechselnde Gruppen. Sie stahlen dem Wirt die Zinnkrüge, dem Bauern das Dörrfleisch, dem Fuhrmann die Ware. Kein Gedanke an Mord. Doch sie waren abgebrüht und roh, und in der Aufregung unterlief ihnen schon mal ein Totschlag.

Das historische Wirtshaus im Spessart
Über den Standort von Hauff’s Wirtshaus wurde lange gerätselt. Was weiß man eigentlich über den literaturgeschichtlichen Standort von Hauffs »Wirtshaus«-Erzählung ? Um die Geschichte des Wirtshaus im Spessart zu erklären, muss man in das Jahr 1615 zurückgehen. Damals richtete Lamoral I. Freiherr von Taxis (1557 bis 1624), seit 1611 Reichsgeneraloberpostmeister, eine Postroute von Brüssel über Würzburg nach Prag ein. Für die Spessartdurchquerung benutzte er eine bereits vorhandene alte Straße, die bald den Namen Poststraße bekam. Diese Poststraße führte damals über Aschaffenburg, Bessenbach, Rohrbrunn nach Esselbach und weiter nach Würzburg und Nürnberg. Posthaltereien befanden sich damals unter anderem in Straßbessenbach und Rohrbrunn. Der kurmainzische Oberjäger Uzuber hatte 1688 die Post- und Zollrechte erhalten und eröffnete in Rohrbrunn eine Posthalterei mit angegliederter Wirtschaft. Die Rohrbrunner Posthalterei war mit einem Eichenbalkenzaun gegen Räuber gesichert.

Zwischen 1780 und 1790 wurde die (Alte) Poststraße ausgebaut. Die neue Trasse, ab jetzt auch Spessarter Chaussee genannt, verlief nun direkt oberhalb des bis dato abseits der Route gelegenen Ortes Hessenthal (heute Ortsteil von Mespelbrunn). Da auf der neuen Poststraße die Postkutschen besser vorwärts kamen, wurde die Posthalterei in Straßbessenbach überflüssig, stattdessen sollte etwas weiter von Aschaffenburg entfernt, eine weitere Posthalterei errichtet werden. Im Jahr 1813 entschloss sich der Gastwirt Franz Scherf aus Bessenbach in Hessenthal eine Posthalterei zu errichten. So wie er den Bau ausführen ließ, entspricht es genau der Beschreibung, die Hauff in seinem »Das Wirtshaus im Spessart« verwendete. Ein “langes, aber sehr niedriges Haus, ein Karren stand davor und nebenan im Stall hörte man Pferde wiehern“. Natürlich hatte Scherf der Posthalterei auch eine Wirtschaft angegliedert. Sie nannte sich "Fürstentum Aschaffenburg", wurde aber bald nur noch die "Post" genannt, so wie sie heute noch heißt. Lange glaubte man, dass das richtige Wirtshaus im Spessart in Rohrbrunn gestanden habe. Tatsächlich war die Posthalterei Rohrbrunn schon 1820, also sechs Jahre vor Hauffs Bildungsreise, aufgehoben worden. Die Postkutschen hielten nicht mehr in Rohrbrunn und Hauff - sofern er durch den Spessart reiste - wird auf seiner Reise diesen einsamen Ort gar nicht bemerkt haben. Dass sich in Rohrbrunn das befindliche Gasthaus ab 1930 "Wirtshaus im Spessart“ nannte, kann man nur als guten "Werbegag" bezeichnen. Als Hauff sich 1826 auf Reisen befand, war die Spessartroute eine der berühmtesten und bedeutendsten Poststraßen in Deutschland und die postalische Organisation erforderte in der Posthalterei Hessenthal auch einen Aufenthalt. Dort in der Gastwirtschaft wird Wilhelm Hauff, falls er durch den Spessart kam, vielleicht die Geschichten um Fuhrknechte und Postreiter, Wegelagerer und Räuber, bedrohte Postkutschen und einsame Wirtshäuser gehört haben. Es ist also durchaus realistisch das "Gasthaus zur Post" in Hessenthal als das richtige "Wirtshaus im Spessart“ zu bezeichnen.

Bauwerke:
Bekanntestes Bauwerk im Spessart ist das Schloss Mespelbrunn, ein romantisches Wasserschloss. Es war der Wohnsitz des Geschlechts der Echter, die im nahen Aschaffenburg mit Verwaltungsaufgaben des Erzbistums Mainz betraut waren. Mespelbrunn liegt so abgelegen, dass es nie zu kriegsbedingten Beschädigungen oder Zerstörungen kam. Das Schloss ist heute im Besitz der Grafen von Ingelheim und teils bewohnt, teils als Museum eingerichtet.

Die dreiteilige gotische Wallfahrtskirche Hessenthal beinhaltet eine bedeutende Kreuzigungsgruppe von Hans Backoffen, eine Tilman Riemenschneider zugeschriebene Beweinung Christi und einen Familien-Epitaph der Echter von Mespelbrunn in der als Grablege dienenden alten Wallfahrtskapelle.

Die karolingische Vierungskirche in Neustadt am Main. Gebaut von Megingaud und 781 eingeweiht von Karl dem Großen, Bischof Willibald aus Eichstätt und Erzbischof Lullus von Mainz.

Das Schloss Luitpoldshöhe wurde 1889 vom Prinzregenten Luitpold von Bayern im Rohrbrunner Forst als Domizil für seine Jagdgesellschaften im Spessart gebaut. Später war es Sitz des Forstamtes Rohrbrunn. Seit 1996 ist es ohne Nutzung, seine Zukunft ist unklar. In Sommerkahl kann die Grube Wilhelmine, ein ehemaliges Kupferbergwerk besichtigt werden.

Museen:
In Lohr am Main ist im Schloss das Spessartmuseum untergebracht. Dargestellt werden Geschichte und Erzeugnisse aus dem Spessart, insbesondere Glas und Spiegel, sowie Schmiede- und Gießereiprodukte. Die früher herausragende Bedeutung der Glasherstellung im Spessart wird in Wertheim eigens durch ein Glasmuseum gewürdigt. Das Lapidarium in Neustadt am Main, über dem ehemaligen Kapitelsaal der Abteikirche, zeugt von der karolingischen Vergangenheit des Kloster Neustadt. Das wohl bedeutendste Stück stellt der sogenannte Gertraudenmantel dar. Öffnung auf Anfrage im Kloster oder im Pfarrbüro. Eine repräsentative Darstellung der Mineralogie und Geologie des Spessarts findet man im Naturkundlichen Museum Schönborner Hof in Aschaffenburg.

Wanderwege:
Der Spessart ist seit vielen Jahrzehnten durch markierte Wanderwege für Wandertouristen erschlossen. Außergewöhnlich alt und vermutlich schon über 2.000 Jahre in Gebrauch ist der Eselsweg, eine so genannte Altstraße, die über den Hauptkamm des Spessarts führt und vermutlich ihren Namen von den Eselskarawanen des Mittelalters erhalten hat. Heute ist der Eselsweg eine mit einem schwarzen auf weißem Grund markierter Fernwanderweg, der den Spessart fast ohne Ortsberührung in Nord-Süd-Richtung quert (ähnlich dem Rennsteig im Thüringer Wald).

Fast ebenso bekannt ist die Birkenhainer Straße, ein mittelalterlicher Heer und Handelsweg, zwischen Rheinfranken und Ostfranken. Er verbindet auf 71 km Länge Hanau mit Gemünden am Main. Heute ist die Birkenhainer Straße ein Fernwanderweg, der mit schwarzen auf weißem Grund gekennzeichnet ist.

Der 1990 angelegte Fränkische Rotwein Wanderweg ist besonders für Weintrinker interessant und wird intensiv vermarktet. Er verläuft am Westrand des Spessarts entlang dem Maintal.

Das Archäologische Spessartprojekt hat Kulturwanderwege angelegt.

Wächtersbach


Wächtersbach liegt Im mittleren Tal der Kinzig am Ostrand des Büdinger Forstes zwischen Spessart und Vogelsberg, unweit der Städte Gelnhausen, Bad Orb und Bad Soden-Salmünster. Die Stadtteile Wittgenborn, Waldensberg und Leisenwald liegen am Südrand des Vogelsbergs auf der Spielberger Platte.

Im Jahr 1236 wird Wächtersbach (Weichirsbach was soviel heißt wie Der Bach der die Weiter speist). erstmals geschichtlich erwähnt. Aber schon vorher wurde hier zur Überwachung des Reichsforstes eine Wasserburg erbaut. Im Schutze der Burg entwickelte sich eine Siedlung, Urkundlich vom nahegelegenen Klosters Langenselbold belegt, das hier über Grundstücke und Einnahmen verfügten. Bereits am 25. April 1404 erhielt der Burgflecken Stadtrechte. Das aus der romanischen Wasserburg hervorgegangene Schloss wurde nach einem Renaissance-Umbau im 17. Jahrhundert erweitert. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde der Bergfried abgerissen und mit dem Abbruchmaterial der Wassergraben rund um das Schloss verfüllt, sowie ein Park im englischen Stil angelegt. Die Herren von Büdingen verwalteten als Lehnsträger des Reichsforstes auch das Wächtersbacher Gebiet. Als sie um 1245 im Mannesstamm ausstarben, teilten sich vier Schwiegersöhne, unter ihnen Albert von Trimberg und ein Neffe, Heinrich von Isenburg, das gesamte Erbe. Zwischen ihnen und ihren Nachfolgern war der Herrschaftsanspruch über Burg und Flecken Wächtersbach lange umstritten.

Konrad von Trimberg stiftete 1354 eine Marienkapelle am Ort. Im Jahre 1404 erhob Johann II. von Isenburg Wächtersbach zur Stadt, deren Verwaltung in dem 1495 errichteten gotischen Fachwerk-Rathaus ihren Sitz hatte. Im Jahre 1458 gelangten Burg und Stadt endgültig in den Besitz der Graf von Ysenburg. Das Schloss war seit dem Jahr 1687 Sitz der Grafen (seit 1865 Fürsten) zu Ysenburg-Büdingen. Auf dem Areal des Schlosses wird eine zum fürstlichen Haus gehörende im Jahr 1578 gegründete Brauerei betrieben, die Wächtersbach weit über seine Grenzen hinaus bekannt gemacht hat. Seine Durchlaucht Fürst Wolfgang zu Ysenburg-Büdingen wohnt heute im Schloss zu Büdingen.

Ferdinand Maximilian I., der Gründer einer jüngeren Linie des Hauses, machte 1687 Wächtersbach zu seiner Residenz. Die Ysenburger verloren in napoleonischer und endgültig in nachnapoleonischer Zeit ihre Funktion als Landesherren. Wächtersbach wurde 1816 kurhessisch und im Jahre 1866 preußisch. Während Wächtersbach, Hesseldorf, und Weilers sowie die Stadtteile Wittgenborn, Waldensberg und Leisenwald über Jahrhunderte mit den Ysenburgern verbunden waren, haben Aufenau und Neudorf mit Kinzighausen eine eigene Geschichte. Hier hatte seit 1365 das Geschlecht der Forstmeister von Gelnhausen eine kleine reichsunmittelbare Herrschaft. Sie kam im Jahr 1787 durch Verkauf an das Erzstift Mainz, 1814 zu Bayern und wurde 1866 preußisch. Durch den Bau der Eisenbahn zwischen Hanau und Bebra in den Jahren 1864 bis 1868 fand die Stadt Anschluss an das Rhein-Main-Gebiet und hat seither, besonders nach dem Zweiten Weltkrieg, eine rasche Aufwärtsentwicklung erfahren. Die Stadtteile wurden im Rahmen der kommunalen Gebietsreform 1970/71 in die Kernstadt eingegliedert und gaben damit zugunsten einer gemeinsamen Weiterentwicklung sowie zu Verbesserung ihrer Infrastruktur ihre Eigenständigkeit freiwillig auf.

Museen

Wächtersbacher Heimatmuseum
Dieses war ehemals nur im gotischen Fachwerk-Rathaus aus 1495 untergebracht. Im Jahre 2005 wurde zusätzlich die Wächtersbacher Keramikabteilung in neuen Räumlichkeiten im Haus gegenüber eingerichtet. Das Museum wird vom Heimat- und Geschichtsverein Wächtersbach e. V. betreut.

Bauwerke:
Ev. Kirche von 1354 mit Wehrturm von 1514

Schloss Wächtersbach
Das Wächtersbacher Schloss geht auf eine staufische Wasserburg zurück, die in den folgenden Jahrhunderten umgebaut und erweitert wurde. Seit 1687 wurde das Schloss Sitz einer eigenen Linie der Grafen zu Ysenburg-Büdingen. Deren Angehörige erbauten Rentkammer, Marstall, Prinzessenhaus und einen Wirtschaftshof; die schon seit 1578 bestehende Brauerei schloss man 2008 endgültig. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde ein Park im englischen Stil rund um das alte Gebäude angelegt. Die 1865 gefürsteten Ysenburg-Wächtersbacher bewohnen heute das Schloss zu Büdingen. Das heute in Privatbesitz befindliche Schloss wird von einer malerisch schönen Altstadt umrahmt. Das Schloss befindet sich in keinem guten Zustand, da in den letzten Jahren keine substanzerhaltenden Maßnahmen durchgeführt wurden. Der ehemalige Schlosspark, umgangssprachlich Schlossgarten genannt, wird von dem privaten Verein Schloss + Park, der einen Baumlehrpfad anlegte, in Zusammenarbeit mit der Feuerwehr und der Stadt Wächtersbach gepflegt, da er im Rahmen eines Grundstückstausches in den Besitz der Stadt Wächtersbach und somit der Allgemeinheit übergegangen ist.

Im Park finden sich seltene Bäume die zu "Testzwecken" gepflanzt wurden, da die Fürsten zu Ysenburg in der Waldwirtschaft tätig waren und hiermit den Wuchs und die Ertragskraft der jeweiligen Bäume unter hiesigen klimatischen Bedingungen studierten. Daraus resultierend kann man noch heute eine Vielzahl verschiedener, nicht heimischer Bäume im Park finden. Direkt am Schloss befindet sich ein über zweihundert Jahre alter Ginkgobaum, der zu Pflanzzeiten eine Kuriosität und Attraktion darstellte.

Regelmäßige Veranstaltungen:

Messe Wächtersbach
Die Wächtersbacher Messe findet seit 1949 jedes Jahr in der Himmelfahrtswoche statt. Die große Verbraucherschau des Main-Kinzig-Kreises verfügt über eine große Angebotsvielfalt. Rund 440 Aussteller werben in den Bereichen Industrie, Handel, Handwerk, Bauen, Wohnen, Garten und Lifestyle um die Gunst des Konsumenten.

Weihnachtsmarkt
Der Weihnachtsmarkt findet jährlich am Samstag vor dem 1. Advent statt.

Heiratsmarkt
Der Heiratsmarkt im Wächtersbacher Ortsteil Leisenwald findet jährlich zu Pfingsten statt.

Steinau


Brüder-Grimm-Stadt, liegt im Main-Kinzih-Kreis in Osthessen. Der Zusatz "an der Straße" im Ortsnamen geht auf die Via Regia, die alte Handelsstraße von Frankfurt am Main nach Leipzig, zurßck, und dient der Unterscheidung von anderen gleichnamigen Orten.

Die Stadtgeschichte:
Die zentrale Lage Steinaus im Kinzigtal, zwischen Vogelsberg und Spessart, bestimmte die Entwicklung der Stadt und verhalf der Siedlung zu Bedeutung. Die "inzigstraßße"verband West-, Mittel- und Ostdeutschland, die Alte Weinstraße fßhrte vom Spessart hinauf in den Vogelsberg. Auf dem Eselsweg zogen Krieger und Kaufleute, kaiserliche Kuriere, Bischöfe, Grafen und Ritter ebenso wie arme Bauern. Bwerßhmt wurde er durch die Orber Salkarawanen, die mit ihren mit schweren Salsäcken beladenen Eseln entlang zogen und diesem Weg seinen noch heute geläufigen Namen gaben. Der Weg selbst verläuft von Schlßchtern bis Großheubach am Main.

Am Kreuzungspunkt dieser Straßen wurde die wirtschaftliche Entwicklung der alten Stadt begßnstigt.

Ihren Namen hat die Stadt Steinau von den Alemannen, die das Kinzigtal in der Zeit vom 3. bis 6. Jh. besiedelten. Steinau oder Steinaha, wie der Ort damals genannt wurde, bedeutet Stelle am steinigen Wasser. Der Zusatz "an der Straße"im Stadtnamen weist auf die Lage von Steinau an der 1273 Erstmalige Erwähnung der Katharinenkirche. Sie ist Steinaus ältestes Gebäude.

4.7.1290 Steinau erhält die Stadt- und Marktrechte von König Rudolf von Habsburg verliehen. Die Verleihung dieses Privilegs hat einen bedeutenden wirtschaftlichen Aufschwung zur Folge. Da der Verkehr an der Reichsstraße von Frankfurt nach Leipzig stetig zunimmt, erscheint schon bald "Steyna an der Straße" in den alten Aufzeichnungen. Seit dieser Zeit wird alljährlich am Wochenende nach dem 25. November der traditionelle Katharinenmarkt gefeiert. Die heilige Katharina ist die Schutzheilige der Stadt und Namensgeberin des Marktes. Außerdem ziert sie das Stadtwappen von Steinau. Ihr Namenstag ist am 25. November.

Theater:

Das Marionettentheater Die Holzköppe
des traditionsreichen Steinauer Marionettentheaters Die Holzköppe. Im Theater in der Steinauer Altstadt finden fast täglich Märchenvorfßhrungen vor allem von Grimmschen Märchen statt.

Museen:

Brüder Grimm-Haus
Das Brüder Grimm-Haus Steinau wurde 1998 gemeinsam von der Stadt Steinau an der Straße und der Internationalen Brßder Grimm-Gesellschaft e.V. gegrßndet. Es war von 1791 bis 1796 Wohnhaus der Familie Grimm. Das Steinauer Amtshaus, das heute den Namen Brßder Grimm-Haus trägt, ist ein stattlicher Renaissance-Bau mit steinernem Sockel und einem Obergeschoss, dass zum Hof hin mit einem reichen Schmuckfachwerk verziert ist. Das Gebäude ist in eine malerische, großzßgig angelegte Hofanlage eingebettet, die mit einer Mauer umgeben ist.

Museum Steinau...das Museum an der Straße
Das Museum befindet sich in der ehemaligen Amtshofscheune. Das Amtshaus (heute Brßder Grimm-Haus) war der Verwaltungssitz fßr die Ämter Steinau und Schlßchtern. Hier wirkte der Jurist Philipp Wilhelm Grimm von 1791-1796 als Amtmann und bewohnte mit seiner Familie Haus und Hof. So war die Amtshofscheune fßr seine Kinder beliebter Spielplatz, auch fßr die Söhne Jacob und Wilhelm, die später weltbekannten Sprachforscher und Märchensammler, und Ludwig Emil, den Maler und Zeichner des Biedermeier. Wie hoch die Grimm-Kinder hinauskamen, auch beim Spielen, zeigt uns noch heute der Gegenstand ihres besonderen Interesses: die Scheunenleiter scheint endlos bis unters Dach zu reichen.

Das Schloss-Museum

Privatmuseum für historische Gebrauchsgüter
Bei der Renovierung des Hauses sind viele alte Haushaltsgegenstände und landwirtschaftliche Geräte zu Tage gekommen, die in vielen Arbeitsstunden restauriert wurden. Als die unbewohnten Erdgeschossräume renoviert wurden, kam der Gedanke auf, sämtliche Gegenstände fßr die Nachwelt zu erhalten und vorzuzeigen. Die Idee des kleinen Privatmuseums war geboren.

Die Teufelshöle
Nördlich der Steinauer Innenstadt befindet sich die einzige Tropfsteinhöhle Hessens, die Teufelshöhle. Die ca. 2,5 Mio. Jahre alte Höhle wurde 1905 erschlossen. Während des zweiten Weltkrieges wurde die Höhle teilweise durch Amerikaner beschädigt. Durch ihren großen Karsthohlraum im unteren Muschelkalk stellt sie ein bedeutendes geologisches Naturdenkmal dar.

Bauwerke:

Schloss Steinau
Die Geschichte des Schlosses geht bis auf 1278 zurück und gehörte durchgehend den Grafen von Hanau, fßr die es Jagd und Gastschloss war. Außerdem wurden Zölle auf der Via Regia, der bedeutendsten Fernhandelsstrasse im Mittelalter von Ost nach West kassiert. Der Ausbau zum Renaissanceschloss erfolgte im 16. und 17. Jahrhundert. Sehen kann man eine Gebrßder Grimm Gedenkstätte, eine Marionetten und Theatersammlung und zwei eingerichtete Wohnräume des Schlosses. Bei Führungen die nur am Wochenende und an Feiertagen (4x täglich) stattfinden, können weitere Räume des Schlosses besichtigt werden. Im Burggraben, ber das Schloss umgibt, ist ein schöner kleiner Kinderspielplatz.

Amtshaus (erbaut 1562)
heute Brüder Grimm-Haus, die Brüder Grimm lebten hier von 1791-1796

Katharinenkirche
vermutlich das älteste Gebäude in Steinau, erbaut im 13. Jahrhundert. Bei Renovierungsarbeiten wurden Grundmauern älterer Bauten gefunden, die noch weiter zurückreichen.

- Reinhardskirche, evangelischer Barockbau aus dem 17. Jahrhundert
- von-Welsberg-Kapelle (auf dem Friedhof, erbaut 1616)
- historischer Stadtkern mit zahlreichen Gässchen und vielen gut erhaltenen Fachwerkbauten
- Stadtmauer mit den Wehrtürmen sowie die Marborner und die Bellinger Warte.

Gelnhausen


Gelnhausen, die Barbarossastadt, ist Kreisstadt des Main-Kinzig-Kreises im Osten Hessens. Sie liegt auf halber Strecke zwischen Frankfurt am Main und Fulda am Östlichen Rand des Rhein-Main-Gebietes.Gelnhausen liegt am Südrand des Vogelsbergs und am Nordrand des Spessarts im Kinzigtal. Die Kinzig, die im Mittelalter ab Gelnhausen schiffbar war, fließt von Osten nach Westen mitten durch die Stadt.

Mit langgestrecktem Unter- und Obermarkt, fünf erhaltenen Tortürmen und Teilen der alten Stadtbefestigung hat sich die frühere Reichsstadt ihr mittelalterliches Gepräge erhalten. In der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts nannte sich ein (zuvor in Langenselbold ansässiger) Zweig des Adelsgeschlechts der Reginbodonen nach Gelnhausen. Die Stadtgründung von Gelnhausen erfolgte im Jahr 1170 durch Kaiser Friedrich I. (Barbarossa), was ihr den heute geläufigen Beinamen "Barbarossastadt" einbrachte. Die Blüte war von kurzer Dauer. Die Verpfändung der Stadt durch den Kaiser Karl IV. 1349 und der Dreißigjährige Krieg warfen sie auf regionale Bedeutung zurück. 1974 verlor Gelnhausen zunächst den seit kurhessischer Zeit bestehenden Status einer Kreisstadt. Im Juli 2005 wurde jedoch die Verwaltung des Main-Kinzig-Kreises aus Hanau hierhin verlegt. Der Kreis erhielt anstelle von HU das KfZ-Kennzeichen MKK. Seit 1994 befindet sich das Kreiswehrersatzamt für den Großraum Frankfurt in Gelnhausen. Seit einem schweren Hagelsturm im Mittelalter, der die Stadt vor einer weitgehenden Zerstörung durch eine Feuersbrunst bewahrte, feiert man in jedem Jahr am 15. August den sogenannten Hageltag, bei dem die Geschäfte geschlossen bleiben.

Frühgeschichte
In der ersten Häfte des 12. Jahrhunderts nannte sich ein (zuvor in Langenselbold ansässiger) Zweig des Adelsgeschlechts der Reginbodonen nach Gelnhausen. Der Ahnherr dieses Familienzweiges, Graf Dietmar von Selbold-Gelnhausen, erwarb durch seine den Ludowingern und Wettinern nahe stehende Gattin Adelheid Besitz in Ütringen, insbesondere in Camburg und weiteren Orten im heutigen Saale-Holzland-Kreis. Auf Nachkommen des Ehepaares gehen dort die Gründungen mehrerer Burgen und Klöster zurück. Der - obwohl mit den Saliern verwandt - kaiserfeindlich gesinnte Graf Dietmar fiel wahrscheinlich 1115 in der Schlacht am Welfesholz. Statuen Dietmars, seiner Gattin Adelheid und seines Sohnes Timo stehen unter den berühmten Stifterfiguren im Naumburg Dom und prägen die politische Programmatik dieses Skulpturenzyklus.

Die Stadt Gelnhausen wurde im Jahr 1170 von Kaiser Friedrich I. Barbarossa im Rahmen seiner Reichslandpolitik in der Wetterau als Reichsstadt gegründet. Drei wesentlich ältere, dörfliche Siedlungen wurden zu der neuen Stadt zusammengefasst und planmäßig ausgebaut. Von Anfang an sollte die Stadt den imperialen Anspruch des Herrschers widerspiegeln. So findet schon im Jahr 1180 ein bedeutender Reichstag in Gelnhausen statt, auf dem Friedrich I. einen Prozess gegen seinen Vetter Heinrich den Löwen führt und einen Teil von Heinrichs Gütern neu verteilt. In diesem Zusammenhang werden verfassungsgeschichtliche Grundlagen für die spätere Kleinstaaterei im Reich geschaffen.

Mittelalter
1133 - Ort erstmals durch Zeugenname belegt
1150 - Ausweitung des Ortes durch die herrschaftliche Siedlung am Ostende des Fernweges
1170 - Zollfreiheit
1180 - Münzprägung
1190 bis 1208 - Anlage des Obermarktes
1220 - "forum annuale" von Marköbel nach Gelnhausen verlegt
1240 - abwehrbereiter Gesamtbering vorhanden (1.335 m lang)
1257 bis 1258 - Stadterweiterung nach Westen und Osten
1319 - Leprosorium, Haus für Leprakranke (Aussatzkranke), vorhanden
1346 - Entstehen der gut 1 ha großen Vorstadt Ziegelhaus
1348 - Judenverfolgung
1352 - Nennung einer Judenschule
1395 - Nennung einer Judenschule
1435 bis 1444 Anlegen eines Stadtbuches

Neuzeit
1599 - neue Stadtordnung mit Regeln für Kirche und Schule, Wehr- und Feuerschutz, Kleider und Sitte, Feste und Bauten
1611 - 498 Steuernde und 36 Adlige gezählt
1656 - neue Einrichtung des Spitals
1756 - Franziskanerkirche zerfiel seit 1756
1765 - St. Peter profaniert
1770 - Kloster Himmelau abgerissen
1803 - Eingliederung in den hessischen Kurstaat
1821 - Einrichtung als Kreissitz
1840 - 531 Gewerbetreibende, 129 Tagelöhner
1849 - Ansiedlung der Ältesten deutschen Gummifabrik
1867 - Anschluß an das Eisenbahnnetz

Kaiserpfalz:
Die Kaiserpfalz (auch "Barbarossaburg" genannt) wurde gleich nach der Stadtgründung südöstlich von Gelnhausen auf einer Kinziginsel gebaut. Sie war eine der kleineren Pfalzbauten Friedrichs I. Zusätzlich zu ihrer Funktion als Pfalz des deutschen Königs diente sie auch als Verwaltungssitz für das um den Pfalzbau liegende Königsgut. Um ihre Funktion zu unterstreichen, wurde sie in deutlich sichtbarem Abstand zum eigentlichen Stadtgebiet gebaut. Dies führte zu dem Effekt, dass bis zum Jahr 1895 die Gebäudeansammlung um die Burg herum eine eigenständige Gemeinde gebildet hat. Die Pfalz war zehn Jahre nach Stadtgründung Schauplatz eines wichtigen Reichstags. Heinrich dem Löwen wurde auf diesem Reichstag 1180 in Abwesenheit der Prozess gemacht, und seine Länder wurden neu aufgeteilt.1186 wurde hier das Gelnhauser Privileg ausgestellt. Es handelt sich bei der Kaiserpfalz um die besterhaltene Pfalz der Stauferzeit. Ihre Steinmetzarbeiten sind herausragend für die damalige Zeit. Als Fundament für ihren Bau dienten ca. 12.000 Baumstämme. Aufgrund der baulichen Expansion der Stadt liegt die Kaiserpfalz nun mitten im Ortskern. Heute ist sie eine der bedeutendsten Sehenswürdigkeiten von Gelnhausen, die auch von Besuchern besichtigt werden kann.

Romanisches Haus:
Das besonders an der Schauseite mit staufischen Bauelementen reich verzierte Gebäude am Untermarkt war im Mittelalter Sitz des kaiserlichen Vogts und des kaiserlichen Gerichts der Reichsstadt, dann wohl auch von Bürgermeister und Rat, bis diese in das Rathaus am Obermarkt, ein ehemaliges Handelshaus, umzogen. Das Romanische Haus ist heute im Besitz der evangelischen Kirchengemeinde, das mittelalterliche Rathaus am Obermarkt noch heute in dieser Nutzung.

Hexenturm:
Der Hexenturm ist ein original erhaltener Geschützturm aus der Mitte des 15. Jahrhunderts. Erbaut wurde er zwischen 1447 und 1478 während der Hussitenkriege, um die Stadt gegen Angriffe der Taboriten zu schützen. Deren Bewaffnung umfasste nämlich auch kleinere Belagerungsgeschütze. Da diese auf Wagen des Trosses fest montiert waren, stellten sie eine in dieser Form unbekannte Gefahr dar. Der mit 24 Metern Gesamthöhe und 9 Metern Durchmesser für seine Zeit recht beachtliche Rundturm war eine Reaktion auf diese technische Neuentwicklung. In der ersten Zeit seines Bestehens hatte er den Namen Fratzenstein. Seinen heutigen Namen erhielt er dadurch, dass während der Hexenverfolgungen dort vermeintliche Hexen eingekerkert wurden. Der Bau wurde an die bestehende Stadtmauer angelehnt. Seine Position wurde so gewählt, dass die Brücke zwischen Gelnhausen und der Gemeinde Burg von ihm aus geschützt werden konnte.

Inneres Holztor:
Die erste steinerne Stadtmauer um Gelnhausen stammt aus dem Jahr 1220. Zusätzlich wurde die Stadt mit Schalentürmen gesichert, die einen quadratischen Grundriss hatten. Die von der Stadt abgewandte Seite wurde aus Stein errichtet, die zur Stadt zugewandte Seite aus Kostengründen wurden mit Holzschalen geschlossen.

Museen:

Heimatmuseum:
Das Gebäude der früheren Augusta-Schule auf der Nordseite des Obermarktes beherbergt das Heimatmuseum. Hier finden sich Ausstellungsstücke aus allen Epochen der Geschichte von Gelnhausen. Die ältesten Fundstücke aus der Gegend sind 300.000 Jahre alt. Eine besondere Einrichtung ist der sogenannte Fund des Monats. Hierbei wird ein Exponat aus dem Museum im Foyer des Rathauses ausgestellt.

Turmuhrenmuseum:
Dieses Museum, das von einer Privatperson betrieben wird, zeigt 35 Turmuhrwerke aus den Jahren 1520 bis 1996. Des Weiteren gibt es eine Reihe von Einzelteilen und Zubehör zu sehen.

Flugzeugmuseum:
Auch das "Museum für Flugzeugtechnik und Geschichte Friedhelm Wagner" im Stadtteil Hailer wird privat betrieben. In sieben Räumen werden auf einer Fläche von über 200 Quadratmetern mehr als 3.200 Exponate aus dem Bereich Luftfahrt gezeigt. Neben Motoren, Aggregaten, Instrumenten und Bordzubehör sind Originalunterlagen zu sehen. Der Luftfahrt im Kinzigtal ist hierbei ein besonderes Augenmerk gewidmet. Begleiten Sie uns auf einem Spaziergang durch Gelnhausen. Sicher werden Sie auf Ihrem Weg durch die engen Straßen und Gassen unserer Stadt spüren, daß hier Geschichte greifbar nahe ist, lebendig wird.

Kaiser Friedrich 1., genannt Barbarossa, gründete 1170 durch den Zusammenschluß dreier dörflicher Siedlungen die Reichsstadt Gelnhausen. Kaiserliche Privilegien und die verkehrsgünstige Lage ließen die Stadt rasch zu einem Anziehungspunkt für Kaufleute und Handwerker werden, die Gelnhausen allmählich zu ansehnlichem Reichtum verhalfen und zu einem zentralen Ort des mittelalterlichen Fernhandels machten. Doch nicht nur wirtschaftlich, auch politisch wuchs das junge Städtchen zu einem bedeutenden Zentrum des Reichs heran: So wurde auf dem 1180 in Gelnhausen durchgeführten Reichstag entschieden, das Herzogtum Sachsen zu teilen und als Lehen neu zu vergeben - eine Entscheidung, die zur Zersplitterung des Kaiserreiches beitrug und damit die frühe Bildung eines deutschen Nationalstaats verhinderte.

Ende des 12. Jahrhunderts erbaut und auf einer Insel der Kinzig, etwas südöstlich unterhalb der Kernstadt gelegen, ist die Gelnhäuser Kaiserpfalz (auch "Barbarossaburg" genannt) die am besten erhaltene unter allen staufischen Palastgebäuden in Deutschland. Besonders beeindruckend und kunstvoll präsentiert sich der Palas, die eigentliche Wohnung des Herrschers. Das mächtige Portal, die gut erhaltenen Arkadenreihen, die prächtigen Friese und Kapitelle sind faszinierende Belege romanischer Baukunst

Zwischen 1170 und 1250 entstand unter dem Patronat des Kloster Selbold das Wahrzeichen der Stadt: die Marienkirche. Ihre Baugeschichte begann mit einer kleinen einschiffgen Kirche, von der nur noch Reste erhalten sind. Fünf Bauabschnitte waren nötig, bis aus dem Kirchlein das "Kronjuwel Gottes" wurde. Den verschiedenen Baumeistern gelang es vortrefflich, das heimische Material, den Gelnhäuser Sandstein, zu verarbeiten und der Marienkirche eine harmonische architektonische Gestaltung zu geben.

Insbesondere der Lettner mit seiner Darstellung des "Jüngsten Gerichts" gilt international als wertvolle künstlerische Einzigartigkeit. Auf der linken Seite wird eindrucksvoll die Auferstehung der Toten und der Weg der Seeligen in das Gottesreich gezeigt. Die Gruppe der Verdammten ist auf der rechten Seite zu sehen, darunter sind u.a. ein König, ein Reicher, und ein Gelehrter, die von einem Engel weg von Gott hin zum Teufel, in den Rachen der Hölle getrieben werden.

Unterhalb der Marienkirche, auf dem Untermarkt, befindet sich das "Romanische Haus", das älteste erhaltene Amtshaus Deutschlands. Im Jahre 1370 wird es erstmals urkundlich erwähnt - entstanden ist es jedoch vermutlich schon zur Zeit des Reichstags 1180. Beachtenswert sind vereinzelte bauliche Ähnlichkeiten mit dem Palas in der Kaiserpfalz.

Um das Jahr 1200 entschlossen sich die Gelnhäuser, eine Kirche zu bauen, die - anders als die Marienkirche - der städtischen Obhut unterstehen sollte. So entstand die Peterskirche, die nach den ursprünglichen Plänen kunstvoller und prächtiger ausgestattet und gestaltet sein sollte, als die Marienkirche. Einige architektonische Details lassen dies auch heute noch erkennen. Nach einer wechselvollen Geschichte, zum Beispiel als Lagerraum, Lazarett und Zigarrenfabrik, wurde St. Peter gegen Anfang dieses Jahrhunderts wiederaufgebaut bzw. renoviert und fungiert erst seit 1938 als katholische Pfarrkirche. Die Innenausstattung der Peterskirche verbindet mittelalterliche Elemente mit zeitgenössischer Kreativität.

Das wohl älteste erhaltene Gebäude der Stadt ist die Godobertuskapelle, die im frühen 12. Jahrhundert entstanden sein muß. Dieser kleine Sakralbau lag im Bereich der ehemaligen Dorfsiedlung "Godebrechtshusen" - einer der Ansiedlungen, die vor der Stadtgründung 1170 bestanden. Die Architekturformen des frühen 12.Jahrhunderts lassen sich noch deutlich am Gebäude ablesen, obwohl es im Laufe der Jahrhunderte stark unter mannigfachen Beschädigungen gelitten hat: Vor allem das Portal und die Rundbogenfenster belegen die frühe Entstehung der Kapelle. Freskenreste mit Rankenwerk sind noch am Chorbogen zu sehen sie stammen aus der Zeit der Gotik.

Die jüdische Gemeinde in Gelnhausen zählte zu den ältesten in Deutschland. Im Jahre 1241 werden erstmals Schutzgeldzahlungen der Gelnhäuser Juden an den Kaiser urkundlich erwähnt. Unterhalb von Markt und Kirche nahe der Stadtbefestigung siedelte sich die jüdische Bevölkerung an und erneuerte 1601 einen früheren Synagogenbau, der jedoch im 30-jährigen Krieg (1618-1648) zerstört wurde. Mit dem Wiederaufbau wurde 1650 begonnen, ein Umbau erfolgte 1734. Trotz verstärkter An- und übergriffe auf die jüdische Bevölkerung nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten blieb die Synagoge im wesentlichen unversehrt und wurde 1986 der Öffentlichkeit als kulturelle Begegnungsstätte übergeben. Besonders sehenswert sind der barocke Thoraschrein im Inneren und das Denkmal am Eingang: Die geöffnete Bronzetür (Ausführung Dina Kunze) steht für den Dialog der Religionen, für Versöhnung und Toleranz.(s.a. "Jüdisches Leben in Gelnhausen")

Am Obermarkt entstand 1331 ein Kaufhaus, das seit Mitte des 15. Jahrhunderts auch als Sitz der Stadtverwaltung dient. Etwa 1500 erfolgte eine grundlegende Neugestaltung des Gebäudes: Die gotischen Tore und Fenster des Erdgeschosses bezeugen dies noch heute. Als der Dachstuhl des Rathauses 1736 durch einen verheerenden Großbrand stark beschädigt wurde, erneuerte man es im barocken Stil. 1969/70 wurde das Rathaus völlig entkernt, um eine zeitgemäße Raumaufteilung für die Stadtverwaltung zu schaffen.

Gelnhausen ist eine Stadt der Türme und Tore. Der erste Befestigungsring rund um die Stadt entstand vermutlich schon zu Zeiten der Stadtgründung 1170. Viele der damals erbauten Türme und Tore sind erhalten und wurden in den letzten Jahren liebevoll und detailgetreu restauriert.

Vor allem der Hexenturm hat über die Grenzen der Stadt hinaus traurige Berühmtheit erlangt. Hier wurden im Mittelalter viele Dutzend unschuldiger Menschen eingekerkert, die der Hexerei bezichtigt worden waren. Im finsteren und feuchten Turmverlies mußten sie oft monatelang dahinvegetieren. Eine Ausstellung zur Geschichte lässt die Brutalität ahnen, mit der Menschen damals gequält wurden.Im Obergeschoss des Hexenturm können Sie eine Dauerausstellung zur Geschichte der Hexenverfolgung in Gelnhausen besuchen.

Im Stadtgarten ist der "Halbmond" erhalten, ein halbrunder, an die Stadtmauer gebauter Verteidigungsturm.

Die vielen mittelalterlichen Tore aus dem 13. und 14. Jahrhundert prägen noch immer das Stadtbild Gelnhausens. Einige von ihnen dienen bis heute Autos und Fußgängern als Eingang bzw. Einfahrt in das Stadtinnere - so z.B. die beiden Holztore, das Ziegeltor und das Schifftor. Das Haitzertor wurde bis zum 19. Jahrhundert als Einfahrtstor genutzt, dann aber wurde die Straße auf die Nordseite verlegt und das Tor für Wohnzwecke umgebaut.

Neben den vielen privaten Brunnen in den Gelnhäuser Kellern sind zahlreiche öffentliche Brunnenaus dem Mittelalter erhalten, z.B. der "Holzborn", der Steinbrunnen, der Lambertusbrunnen und der Brunnen im Hof des Deutschordenshauses (kath. Pfarrzentrum). Der Schubkärrnschercherbrunnen am Museum ist ein Meisterwerk unserer Tage und erinnert an die Weinbautradition in Gelnhausen, an den mühseligen Aufstieg der Winzer zu den Weinbergen.

Hanau


Hanau, die Brüder-Grimm-Stadt, liegt im Osten des Rhein-Main-Gebiets an der Mündung der Kinzig in den Main. Sie ist eines der neun Oberzentren des Landes Hessen, Sonderstatusstadt des Main-Kinzig-Kreises und mit etwa 88.000 Einwohnern sechstgrößte Stadt Hessens. Die ehemalige Residenzstadt ist wirtschaftliches und kulturelles Zentrum der Region Main-Kinzig und ein bedeutender Industrie- und Technologiestandort. Hanau beheimatete die erste deutsche Fayence-Manufaktur, hat eine lange Tradition als Stätte der Goldschmiedekunst und Schmuckherstellung und ist heute Sitz bedeutender Unternehmen, unter anderem der Material und Werkstofftechnologie, der Medizin- und Dentaltechnik, der Chemie und des Anlagenbaus. Hanau liegt in der Untermainebene in einer Senke zwischen Wetterau und Vorspessart und wird von einem ausgedehnten Waldgürtel umschlossen. Die Stadt bildet den Schnittpunkt bedeutender Verkehrswege am Eingang zum Kinzigtal.

Mit dem Vordringen der Römer an den Rhein (58- 49 v. Chr.) unter C. Iulius Caesar ergreift erstmalig eine Kultur Besitz von unserem Raum, die sich der Schrift bediente. Zu diesem Zeitpunkt lebten in der Wetterau vermutlich keltische Stämme, deren oppida (stadtartige Höhensiedlungen) auf dem Glauberg, dem Dünsberg bei Gießen und im Taunus nachgewiesen wurden. Im Hanauer Stadtgebiet wurden unlängst keltische Siedlungsreste an der B 43a bei Klein- Auheim ausgegraben.

Hoch- und Spätmittelalter

1122 - In den landesherrlichen Urkunden des Mainzer Erzbischofs tauchen seit 1122 mehrere "Grafen" (comites - zu dieser Zeit allerdings nicht unbedingt vergleichbar mit dem späteren Reichsgrafenstand) auf, die sich "von Buchen" nennen. Sie treten als Zeugen bei verschiedenen Beurkundungen auf. 1122 ist dies zunächst Dammo von Buchen, später auch sein Bruder Siegebodo. Dammo reist in den nächsten 13 Jahren sechsmal als Zeuge von Urkunden nach Mainz, sein Bruder sogar in einem Jahr dreimal.

1143 - Im Jahr 1143 muss Graf Dammo wieder testieren, jetzt nennt er sich allerdings plötzlich nicht mehr Dammo von Buchen sondern Tammo von Hanau (Tammo de Hagenouwa), im selben Jahr sogar dreimal. Im nächsten Jahr nennt er sich wieder Dammo von Buchen und hat seinen Sohn Arnold dabei. Bis zum Jahr 1145 erscheint er dann noch 11 mal als Dammo von Hanau.

bis 1191 - Arnold nennt sich noch einmal Arnold von Buchen, danach erscheint er 17 Jahre lang (21 mal) als Arnold von Hanau. Zuletzt 1175 erscheint auf einer Mainzer Urkunde ein Dammo (der Jüngere) von Hanau. Danach scheint es einen Wechsel in der Herrschaft gegeben zu haben, denn nun tauchen unter den Herren (!) von Hanau einheitlich neue Namen wie Philipp, Reinhard und Ulrich auf. Möglicherweise wurde nach dem Aussterben der Grafen das Lehen an einen Gefolgsmann vergeben, der aber nicht zum Stand der Reichsgrafen gehörte. Anfangs taucht auch noch der Name "Herren von Dorfelden- Hagenowe" auf. Dieses Geschlecht war wahrscheinlich im Niddergebiet (Wasserburg Niederdorfelden) und im Büchertal begütert - erst um 1436 wurde die Verwaltung der Reichsgrafschaft von der Burg Windecken nach Hanau verlegt.

1234 - Erste urkundliche Erwähnung der Burg Hanau.

1255 - Ulrich II. von Münzenberg stirbt als letzter männlicher Vertreter der Münzenberger Gaugrafen. Sechs seiner Schwestern waren mit Herren des hohen Adels verheiratet: von Falkenstein, Weinsberg, Pappenheim und Schöneberg sowie Reinhard I. von Hanau. Unter diesen wurde der Münzenberger Besitz aufgeteilt und die Herren von Hanau nannten sich fortan "von Hanau-Münzenberg", obwohl sie nur ein Sechstel der Münzenberger Herrschaft geerbt hatten.

1277 - Ulrich I. erwirbt vom Erzbistum Mainz den Bulauwald.

1290 - Aus dem Besitz der Grafen von Rieneck erwirbt Ulrich das Amt Steinau.

1300 - König Albrecht I. ernennt Ulrich I. von Hanau und seine Nachfolger zu Landvögten der Wetterau. Schon unter Ulrich III. (1346-1369) verlieren die Hanauer das Amt aber wieder.

1303 - Albrecht I. verleiht der Burg und Siedlung Hanau das gleiche Recht wie der Stadt Frankfurt. Im Schutz der Burg, die sich im Bereich des heutigen Schlossgartens befand, war im Laufe der Zeit eine Siedlung entstanden, die nun die Größe einer Stadt erreicht hatte. Mit den Stadtrechten war das Recht verbunden, Märkte abzuhalten, einen Rat mit zwei Bürgermeistern an der Spitze zu wählen sowie die Freiheit von Leibeigenschaft ("Stadtluft macht frei"). Wahrscheinlich wurde gleich danach mit dem Bau der mittelalterlichen Stadtmauer begonnen.

1317 - Erste Erwähnung der Marienkirche , noch als Maria-Magdalenen-Kirche, pikanterweise in einem Ablaßbrief des Mainzer Erzbischofs. Wie der Begriff "Marienkirche" entstand ist eine eigene Geschichte. 1818 (nach der Hanauer Union) wurde für die ehemalige reformierte Kirche ein Name gesucht. Den Vorschlag der Gemeinde ("Paulskirche") lehnte der Kurfürst ab und schlug stattdessen vor, sie nach der verstorbenen Landgräfin Maria zu benennen. In jedem Fall war die Kirche ursprünglich der Maria Magdalena und nicht der Jungfrau Maria geweiht.

1320 - Ludwig der Bayer verpfändet die Grafschaft Bornheimer Berg an Ulrich II. Die Orte Bockenheim, Eckenheim, Bornheim und Seckbach werden hanauische Dörfer. 1434 wandelte Kaiser Sigismund die Pfandschaft in ein erbliches Lehen um. 1333 Ulrich II. erhält aus dem Erbe der Rienecker Amt und Kloster Schlüchtern sowie Brandenstein, Schwarzenfels, Bieber und Lohrhaupten. Die Herrschaft erhält zwei zusammenhängende Gebiete am Nord- und Ostrand des Spessarts.

1349 - In den Pestmassakern geht die erste jüdische Gemeinde unter.

1351 - König Karl IV. verleiht Ulrich von Hanau das Judenregal, d.h. die Herrschaft über die Juden seines Territoriums. Die deutschen Kurfürsten erhalten dieses Judenregal erst 1356 mit der Goldenen Bulle.

1389 - Ulrich V. von Hanau führt Fehde im Auftrag Ruprechts, Pfalzgraf bei Rhein und Herzog von Bayern, gegen die Reichsstadt Frankfurt.

1429 - Kaiser Sigismund erhebt Reinhard II. durch eine in Preßburg ausgestellte Urkunde in den Stand der freien Reichsgrafen, wahrscheinlich, weil die kaiserliche Kasse ein Darlehen nicht zurückzahlen konnte.

1436 bis 1451 - Graf Reinhard II. verlegt Residenz und Regierung von Windecken nach Hanau. Die Stadt wächst und es entsteht eine Vorstadt im Westen außerhalb des eigentlichen Mauerrings im Bereich der heutigen Hospitalstraße. Diese erhielt ihren Namen von dem neuen Spital, das dort ebenfalls in dieser Zeit errichtet wurde. 1470 erhielt die Vorstadt eine eigene Umwehrung. Reinhard II. ließ auch die Marienkirche vergrößern. Mit seinem Tod 1451 wurde sie zur Begräbnisstätte der Grafen von Hanau-Münzenberg.

1452 - Reinhard III., der nach nur einjähriger Regierung starb, handelte als einziger Hanauer Graf dem Hausgesetz Ulrichs II. zuwider, indem er gegen das alleinige Erbrecht des Erstgeborenen verstieß, jedoch aus gutem Grund. Er teilte die Grafschaft zwischen seinem minderjährigem Sohn Philipp dem Jüngeren und seinem Bruder Philipp dem Älteren. Letzterer erhielt die Gebiete südlich des Mains mit der Herrschaft Babenhausen, war aber auch gleichzeitig Vormund für den nur dreijährigen Philipp d. J. Die Gebiete sollten mit dem Tode Philipps d. Ä. wieder an Hanau-Münzenberg zurückfallen und er verpflichtete sich, nicht zu heiraten.

1458 - heiratete Philipp d. Ä. trotz des Heiratsverbots Anna von Lichtenberg, die Erbtochter Ludwigs V. von Lichtenberg.

1473 - Nach dem Tod Ludwigs V. und Jakobs von Lichtenberg erhält Philipp d. Ä. die große Herrschaft Lichtenberg im unteren Elsaß mit der Hauptstadt Buchsweiler. Er nennt sich seitdem Graf von Hanau-Lichtenberg. Neben Buchsweiler residiert das Grafenhaus weiterhin auch in Babenhausen.

1484 - Bau des Altstädter Rathauses Ecke Metzgergasse/ Altstädter Markt. Schon 50 Jahre später wurde das Gebäude erneut für zu klein befunden und man baute von 1537-38 ein zweites Rathaus für die Altstadt Hanau.

Neuzeit
1521 - Philipp III. von Hanau-Lichtenberg (1482-1538) lernt auf dem Reichstag in Worms den Mönch Martin Luther kennen. Bald darauf führt er in der Grafschaft Hanau-Lichtenberg die evangelische Lehre ein.

1528 Unter den Grafen Philipp II. und Balthasar wurde der Bau einer neuen Stadtbefestigung begonnen. Nicht nur, dass die mittelalterliche Mauer von ihrem Umfang zu klein geworden war, sie war auch nicht mehr ausreichend gegen Angriffe geschützt - mit der Erfindung des Schwarzpulvers und der Entwicklung von Kanonen war es möglich geworden, eine solche Mauer von nur 1 Meter Stärke binnen Minuten in Stücke zu schießen. Die neue Stadtbefestigung enthielt auch mehrere Bastionen, die das Aufstellen von Kanonen ermöglichten. Ihre Mauern und Erdwerke waren mehrere Meter dick. Zudem war sie so gebaut, dass Kugeln nur selten frontal einschlagen konnten und so weniger Schaden anrichteten. Eine zweite Vorstadt schob sich nun vor der ersten bis an die Kinzig heran. Sie trägt noch heute diesen Namen. 1556 wurde der Grundstein für eine neue steinerne Brücke über die Kinzig gelegt. Auf ihr befand sich bis 1829 ein breiter Torturm, der sogenannte Margarethenturm.

1528 bis 1561 - 1528 wird der evangelische Prediger Philipp Neunheller von Philipp II. nach Hanau berufen. Die Reformation setzte sich aber erst unter Philipp III. nach dem Passauer Religionsfrieden (1552) in der Grafschaft Hanau-Münzenberg durch. Das katholische Marienstift erlosch und die Kirche wurde

1558 bis 1561 - zu einer evangelischen Kirche umgebaut. Ihre gotischen Schiffe wurden in einen einzelnen Zuhörerraum umgewandelt und der Chorraum beseitigt.

1597 - Am 1. Juni 1597 schlossen in Frankfurt ansässige Calvinisten mit Graf Philipp Ludwig II. die "Capitulation der Neustadt Hanau". Philipp Ludwig II. war in Dillenburg im Hause Nassau-Oranien selbst calvinistisch erzogen worden. Die Glaubensflüchtlinge aus Frankreich und den Niederlanden waren zuvor in der Reichsstadt Frankfurt nicht besonders herzlich aufgenommen worden. Auch ihre Ansiedlung in der Neustadt Hanau verlief anfangs nicht ohne Probleme. Der Erzbischof von Mainz verbot die Ansiedlung zunächst mit dem vorgeschobenen Argument, dass der Bereich in seinen Wildbann fiel. Auch die Bewohner von Alt-Hanau beäugten den Vorgang misstrauisch. Die "Capitulation" bildete in 22 Artikeln das "Grundgesetz" der neuen Stadt und wurde 1604 durch ein "Transfix der Neustadt Hanau" ergänzt. Mit den Flüchtlingen kam ein ungeheueres know-how in der Fertigung von Luxusgütern in die Stadt. Unter anderem sind Tuchmacher, Posamentierer (Hersteller von Borten, Bändern, Schärpen und Quasten), Leinen- und Zeugweber, Hosen- und Strumpfstricker, Hutmacher und natürlich die Schmuckwerkstätten der Gold- und Silberschmiede zu nennen. Dafür forderten die Neubürger volle Handelsfreiheit und die Aufhebung der Zünfte. Es ist der große Verdienst eines weitsichtigen Landesherrn, der alle Probleme diplomatisch aus dem Weg räumte. Im Dezember 1603 erläßt Philipp Ludwig ein Privileg zur Ansiedlung einer jüdischen Gemeinde in Hanau. Zwischen der Alt- und der Neustadt entsteht gewissermaßen als "dritte Stadt" die Judengasse. Während der "Fettmilch-Unruhen" in Frankfurt finden im Sommer 1614 etwa 250 Juden aus Frankfurt ihre vorübergehende Zuflucht in Hanau. Die Neustadt wurde von vornherein mit einer eigenen zeitgemäßen Befestigungsanlage geplant, die Befestigung der Altstadt angepasst. Auch erlaubte die planmäßige Anlage der Stadt ein regelmäßiges Straßennetz, wie es sich auch heute noch in der Hanauer Innenstadt findet. Schon im Jahr des Vertragsabschlusses wurden die ersten Häuser in der Neustadt gebaut. Die Inschrift des ersten Hauses "zum Paradies" hat bis heute überlebt, auch das Haus Lossow am Markt wurde 1597 errichtet. Schon 1620 standen über 370 massive Häuser von nicht gerade geringem Reichtum. Darin zeigt sich der Fleiß, mit dem die Vertriebenen sich eine neue Heimat aufbauen wollten. Eine eigene große Doppelkirche (heute wallonisch-niederländische Kirche) war bereits 1611 fertig gebaut. Beide Städte existierten bis 1835 parallel nebeneinander. Neben einer räumlichen Trennung durch eine Befestigung zwischen Alt- und Neustadt besaßen beide Städte eigene Verwaltungen und Stadträte mit jeweils eigenen Bürgermeistern.

1610 - Graf Philipp Ludwig II. von Hanau-Münzenberg schließt mit seinem Vetter Johann Reinhard I. von Hanau-Lichtenberg einen Erbvertrag. Erlischt die eine Linie, so tritt die andere ohne Verhandlungen die Erbfolge an.

1618 - Beginn des dreißigjährigen Kriegs. Die Hanauer Grafen standen als Protestanten auf der Seite des "Winterkönigs" Friedrich V. von der Pfalz. Man kann in einem kurzen historischem Abriss wie diesem kaum die Grausamkeit dieses Krieges beschreiben. Sie werden aber sehr lebendig in zeitgenössischen Darstellungen beschrieben. Grimmelshausens "Der abenteuerliche Simplicissimus" spielt zum Teil in Hanau in dieser Zeit. Mehrmals wütete die Pest in der Stadt. Marodierende Söldnertruppen machten keinen Unterschied zwischen Freund und Feind und plünderten die Bauern in ihren ungeschützten Dörfern aus. Die Bevölkerungsverluste sind schwer zu quantifizieren, dürften aber in der Grafschaft Hanau bei mindestens 50% gelegen haben.

1622 - Kaiserliche Truppen unter Tilly plündern das Hanauer Land.

1630 - Absetzung Wallensteins als kaiserlicher Feldherr. Die Schweden landen unter Gustav Adolf in Pommern. Tilly wird bei Leipzig geschlagen. Gustav Adolf zieht mit seinem Heer, von den Protestanten zunächst als Retter begrüßt, durch Thüringen und Franken. Ein Jahr später fällt Gustav Adolf in der Schlacht bei Lützen. Graf Philipp Moritz übergab die Festung Hanau zwei heranrückenden schwedischen Reiterregimentern. Gustav Adolf verlangte acht Kompanien Fußvolk und ernannte Philipp Moritz zum Obersten, der aber 1634 über Metz nach Holland reiste. Eine schwedisch-schottische Besatzung unter dem schottischen General Ramsay wurde in die Stadt gelegt. Ramsay wird in zeitgenössischen Quellen folgendermaßen beschrieben: "[Er war] im hohen Grad verschlagen und seinem Worte war nicht recht zu trauen; er war genußsßchtig und rßcksichtlos und von einer Gewalttätigkeit, die ihres Gleichen suchte. "Zwar ließ Philipp Moritz seinen Bruder Johann Jakob zur Wahrung seiner Interessen zurßck, dieser verließ Hanau aber auch bald, nachdem er feststellen mußte, dass Ramsay alles unter seine Kontrolle gebracht hatte. Er ging zum Heer Herzog Bernhards von Weimar ins Elsaß, wo er 1636 beim Sturm auf Zabern fiel. Indes ging es den Hanauern unter der Besatzung nicht gut. Neben der Tatsache, dass Nahrungsmittel durch die Verknappung immer teurer wurden, hatten sie fßr die einquartierten Truppen aufzukommen.

1635 - Es kam noch dicker fßr die Hanauer: Im September 1635 legte der kaiserliche General Guilleaume de Lamboy ein Belagerungsheer vor die Festung Hanau. Die Stadt war damit vom Umland abgeschnitten. Tausende Flßchtlinge aus umliegenden Ortschaften vergrößerten das Elend noch. Lamboys Armee machte keine Versuche, die Festung im Sturm zu nehmen. Stattdessen plante man, Hanau durch Aushungern zur Kapitulation zu zwingen. Unvorstellbare Zustände herrschten in der Stadt. Etwa hundert Jahre später schildert der Hanauer Historiker und Archivar Johann Adam Bernhard sie folgendermaßen, während er sich seinerseits auf einen Aufsatz eines älteren Bßrgers bezieht: "... Wurden auch einige Pferde, welche wol gehalten, von freund und feind niedergeschoßen, fielen die arme leuthe auß und brachten so viel wie möglich zu ihrem unterhalt stßckweiß herein. Wie sie dann auch esels, hund und ander fleisch gekochet und auf dem Marck fast täglich verkaufet. Katzen waren vor Wildpret außgefangen, etliche Fleischbegierige handelten dem Scharfrichter gedörret Schindfleisch ab. Allerley Kräuter ohne unterschied wurden von den armen einwohnern und eingeflßchteten gesamlet und ohngesalzt und geschmälzt gegeßen, auß welchem unnatßrlichen Speißegebrauch hernach so viele 100 menschen schwere Kranckheiten, Lähme, Scharbock und Faulung erlitten, auch etliche auf der Gaß verschmacht und niedergefallen..."

1636 - Nach neunmonatiger Belagerung rßckte im Juni 1636 ein kleines Entsatzheer unter Landgraf Wilhelm V. von Hessen-Kassel und dem schwedischen General Lesle heran und befreite die Stadt. Seitdem wurden jährlich Dankgottesdienste abgehalten, aus denen sich ab 1800 das Lamboyfest entwickelte.

1638 - Graf Philipp Moritz konnte im Februar 1638 zurßckkehren und die Stadt vom Regiment Ramsays befreien. Dieser hatte sich offensichtlich Hoffnung auf eine Herrschaft ßber die Stadt gemacht, denn während der Abwesenheit des Grafen hatte er auch dessen Briefe an seine Untertanen abgefangen. Im August desselben Jahres stirbt der Graf im Alter von 33 Jahren, wie auch den meisten Hanauer Grafen kein langes Leben beschieden war.

bis 1642 - Auf Philipp Moritz folgte 1638 sein erst sechsjähriger Sohn Philipp Ludwig III., für den seine Mutter die Regentschaft fßhrte. Drei Jahre später starb auch er. Ihm folgte 1641 Johann Ernst, ein Sohn eines Bruders Philipp Ludwigs II. Nach nur dreimonatiger Herrschaft segnete auch er als letzter männlicher Vertreter seines Hauses das Zeitliche. Damit war die Linie Hanau-Mßnzenberg erloschen. Gemäß dem Erbvertrag von 1610 erbte die Hanau-Lichtenberger Linie, die jetzt wieder die gesamten Hanauer Lande besaß. Graf Philipp Wolfgang von Hanau-Lichtenberg war ebenfalls 1641 verstorben. Ihm folgte sein ältester Sohn Friedrich Casimir, der, erst neunzehnjährig, nach nur einem Jahr die Grafschaft Hanau-Mßnzenberg erbte. Auf Schleichwegen brachten Boten durch das Kriegsgebiet die Nachricht von Hanau nach Buchsweiler. Friedrich Casimir reiste nach Hanau, wo er fortan residierte. Als Lutheraner gelobte er den einheimischen Reformierten ungehinderte Religionsausßbung.

1643 - Mit Hilfe der Schwester seines Vorgängers Philipp Moritz, der Landgräfin Amelia Elisabeth von Hessen-Kassel, gelang es Friedrich Casimir, seine Ansprßche auf die Grafschaft gegenßber dem Erzbischof von Mainz durchzusetzen. Aus Dankbarkeit schloss er einen Erbvertrag , der besagte, dass die Grafschaft an Hessen Kassel fallen sollte, wenn die Hanauer Grafen in der Manneslinie aussterben sollten. 1647 heiratete Friedrich Casimir die Witwe von Philipp Moritz, Sybille-Christine von Anhalt-Dessau.

1658 bis 1662 - Nachdem Friedrich Casimir als Lutheraner in der Schlosskapelle lutherische Gottesdienste abhalten ließ, erfreute sich die Gemeinde eines regen Zulaufs. 1658-1662 wurde eine eigene Kirche für die lutherische Gemeinde errichtet (heute Alte Johanneskirche).

1727 bis 29 - wurde diese nochmal stark umgebaut. Sie diente fortan als Pfarrkirche der lutherischen Gemeinde und Hofkirche des Grafenhauses. Auch die Familiengrablege der Hanau-Lichtenberger befand sich hier, während die Hanau-Münzenberger in der heutigen Marienkirche bestattet sind.

1661 - Gründung der Hanauer Fayence-Manufaktur.

1665 - Gebäude der Hohen Landesschule nach langjähriger Bauzeit fertiggestellt.

1669 bis 1670 - 1669 ist das Jahr eines der kuriosesten Kapitel in der Geschichte Hanaus. Graf Friedrich Casimir, anscheinend weniger größenwahnsinnig als von schlechten Ratgebern umgeben, beauftragte seinen Geheimrat Becher, Kontakt mit der Holländisch-Westindischen Handelskompanie aufzunehmen, mit dem Ziel, einen Landstrich in Niederländisch-Guayana (zwischen Orinoco und Amazonas) zu erwerben. Am 28. Juli 1669 kehrte Becher aus Amsterdam mit einem Kaufvertrag ßber 3000 Quadratmeilen zurßck - die Grafschaft Hanau zählte damals ganze 44 Quadratmeilen. Die Kanonen der Festung Hanau donnerten! Doch das Unternehmen "Hanauisch-Indien" scheiterte an den Unsummen von Geld, die es verschlang und dem ungesunden Klima in Sßdamerika. Friedrich Casimir war gezwungen, das Amt Nauheim zu verpfänden. Verwandte beantragten beim Hofrat Kaiser Leopolds I. in Wien, die Einnahmen der Grafschaft unter Aufsicht stellen zu lassen. Der Kaiser entsprach der Bitte und unterstellte den Grafen der Vormundschaft des Landgrafen von Hessen-Kassel. 1670 unterwarf sich Friedrich Casimir und regierte fortan wesentlich sparsamer. Er starb 1685 kinderlos. Das Erbe traten die beiden Söhne seines Bruders (Johann Reinhard II.), Philipp Reinhard und Johann Reinhard III. an.

1701 - Baubeginn des Schlosses Philippsruhe.

1709 - Beim Kräutersammeln entdecken zwei Wachenbuchener Frauen im Wald eine eisenhaltige Quelle. Graf Philipp Reinhard läßt diese fassen - Beginn des späteren Kurbades Wilhelmsbad.

1712 - Die ersten Räume von Schloss Philipsruhe sind bezugsfertig (endgßltige Fertigstellung 1714). Graf Philipp Reinhard beginnt mit dem Bau des Marstalls am Schlossplatz.

1713 - Noch während des Marstallbaus beginnt Johann Reinhard III., einen Nordflßgel (Fßrstenbau) an das Stadtschloss anzubauen, das aus der mittelalterlichen Burg hervorgegangen ist.

1722 bis 1733 - Wohl angeregt durch den baufreudigen letzten Hanau-Lichtenberger Grafen Johann Reinhard III. entstehen das Frankfurter Tor und das Neustädter Rathaus.

1735 - Mit Johann Reinhard III. stirbt siebzigjährig der letzte männliche Vertreter des Hanauer Grafenhauses. Bereits vor seinem Tod hatte er bestimmt, dass die Gebiete sßdlich des Mains an den Gatten seiner einzigen, 1726 gestorbenen Tochter Charlotte, Erbprinz Ludwig VIII. von Hessen-Darmstadt fallen sollten. Die ßbrigen Stammlande bekam gemäß des Erbvertrags von 1643 Landgraf Wilhelm VIII. von Hessen-Kassel. Damit war die Grafschaft Hanau kein eigenständiges politisches Territorium mehr.

1759 bis 1762 - Da Wilhelm VIII. im Siebenjährigen Krieg auf der Seite Friedrichs des Großen stand, besetzten französische Truppen Hessen-Kassel und Hanau. Bei Bergen und Bad Nauheim kommt es zu schweren Kämpfen, in denen die französischen Truppen den Angriff der preußischen Verbßndeten abwehren. Nach dem Abzug der Franzosen nahm die Landgräfin Marie ihren Wohnsitz in Hanau und residierte abwechselnd im Stadtschloss und in Philippsruhe.

1763 - Landgräfin Marie von Hessen-Kassel läßt den Fßrstenbau des Stadtschlosses durch einen hufeisenförmigen Anbau erweitern, den sog. Friedrichsbau. Bei der großen Zerstörung Hanaus im Zweiten Weltkrieg wurden beide Gebäude ausgebombt und nach dem Krieg abgerissen, statt erhalten zu werden. Man muss sich den Friedrichsbau ungefähr in der sßdwestlichen Gebäudeflucht der heutigen Karl Rehbein-Schule vorstellen. Die U-Form umrahmte den Marstall. Der Fßrstenbau bildete, vom Schlossplatz aus gesehen, dessen Abschluß zum Schlossgarten.

1764 bis 1785 - Der Nachfolger Wilhelms VIII. von Hessen-Kassel, Friedrich II., blieb von der Verwaltung der Grafschaft Hanau ausgeschlossen. Stattdessen regierte der junge Erbprinz Wilhelm (IX.), derselbe wurde später als Kurfßrst Wilhelm I. zu einer der umstrittensten Gestalten der hessischen Geschichte. In jedem Fall hat er die Stadt Hanau großzßgig gefördert. 1765 ließ er die Befestigung zwischen der Alt- und Neustadt Hanau niederreißen. Es entstand der Paradeplatz (heute Freiheitsplatz). 1768 läßt er dort das Stadttheater und das Kollegienhaus (heute Behördenhaus) errichten.

1772 - Wilhelm unterzeichnet am 20. Juli die Stiftungsurkunde der Zeichenakademie.

1776 - Wilhelm verleiht im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg hessische Soldaten an seinen Onkel Georg IV. von England. Etwa 2400 Hanauer gingen nach Amerika. Die eingenommenen Gelder erlauben es Wilhelm, die Kuranlage Wilhelmsbad zu erbauen (Baubeginn 1777)

1777 - Bau eines Zeughauses mit Wache am Paradeplatz.

1781 - Eröffnung des Comoedienhauses Wilhelmsbad. Freimauertagung in Wilhelmsbad.

1785 bis 1786 Geburt der Brßder Grimm.

1806 - Unter Napoleon kommt Hanau unter französische Militärverwaltung. Französische Truppen besetzen die Grafschaft und schleifen die Befestigungsanlagen.

1813 - Herbstfeldzug Napoleons und Völkerschlacht bei Leipzig. Eine 30000 Mann starke bayrisch-österreichische Armee unter General Wrede besetzt Hanau und versucht, Napoleon den Rückweg zum Rhein zu versperren. Durch Thßringen folgte Blßchers Armee den Franzosen. Es kommt zur Schlacht bei Hanau am 30.10.1813. Der bayrischen Artillerie geht aber schon um 15 Uhr das Pulver aus und sie muss sich zurückziehen. Am nächsten Tag drangen die Franzosen in Hanau ein. Wrede versuchte, die Franzosen aus der Stadt zu vertreiben. Die Vorstadt wurde von französischer Artillerie beschossen. Wrede wurde verwundet. Am nächsten Morgen sind die Franzosen fort. Letzter Sieg Napoleons auf deutschem Boden. Napoleon erreicht 2 Tage später Mainz. Blßcher versucht ihm zu folgen, ßberschreitet aber erst in in der Neujahrsnacht 1814 bei Kaub den Rhein. Kurfürst Wilhelm kehrt aus dem Exil zurück. Seine Soldaten mßssen sich wieder den vorrevolutionären Zopf wachsen lassen, den sie erst nach dem Tod Wilhelms 1821 abschneiden dürfen ("ein alter Zopf"). Er versuchte, das Rad der Zeit um 7 Jahre zurßckzudrehen.

1814 - Goethe besucht Hanau. Der Ehrengast wünschte "... entschieden mit einem dramatischen Abend bedacht zu werden." Die "Hanauer Gesellschaftsbßhne" spielt aber das Lustspiel "Der Vetter aus Bremen".

1817 - Gründung des ersten Turnvereins in Hanau.

1818 - "Hanauer Union": 59 reformierte und 22 lutherische Pfarrer sowie zahlreiche Kirchenälteste vereinigen ihre Gemeinden zur "unierten Kirche". Einzig die niederländisch-wallonische Gemeinde tritt der Union nicht bei und bleibt eine eigenständige reformierte Gemeinde.

1829 - Kurfürst Wilhelm II. lässt die älteren Teile des Hanauer Stadtschlosses, die aus der Wasserburg hervorgegangen sind niederreißen, um von den neueren Teilen des Schlosses einen besseren Blick in den Schlosspark zu erhalten. Ein Jahr später kommt es in Hanau zu Unruhen ("Hanauer Krawalle"), die mit der Erstßrmung des Mainzollamtes durch Hanauer Bßrger gipfelten. Die Aufrührer wurden später zum Strafdienst herangezogen und mussten Im Hafengebiet Entwässerungsgräben ausheben ("Am Krawallgraben"). Hanau wurde in der Folgezeit zu einer Hochburg der revolutionären Turnerbewegung (1837 Gründung der Turngemeinde Hanau).

1844 - Grßndung des Hanauer Geschichtsvereins, der sich anfangs noch "Bezirksverein der Provinz Hanau fßr Hessische Geschichte und Landeskunde" nannte.

1848 - Im Februar 1848 verlangte eine Hanauer Deputation vom Kurfürsten die Menschenrechte und eine Verfassung. Sie setzten dem Kurfßrsten ein Ultimatum. Graf von Galen, der preußische Geschäftsträger in Kassel meldete nach Berlin:"die frechste Eingabe, die deutsche Untertanen je an ihren Fürsten gerichtet hatten." Nachdem die Hanauer Delegation, die seit dem 1. März in Kassel weilte, schon mit ihrer Abreise gedroht hatte, was einen Bürgerkrieg ausgelöst hätte, nahm Friedrich Wilhelm die Petition an und schuf die erste demokratische Verfassung in Deutschland. Am 2. April fand in der wallonischen Kirche in Hanau der erste Turnertag statt. Dort erinnert heute eine Gedenktafel an das Ereignis. Am 10.9. wurde die Eisenbahnline Frankfurt-Hanau eröffnet.

1849 - Die Hanauer Turner unterstßtzten auch den badischen Maiaufstand, der am 21. Juni desselben Jahres mit der Niederlage der Aufständischen bei Waghäusel endete. Zuvor errangen sie in dem Gefecht bei Hirschhorn am Neckar aber den wohl einzigen Sieg fßr die Revolution. Sie hatten am 14. Juni erfolgreich das Schloss Hirschhorn gegen bayrische, kurhessische und mecklenburgische Verbände verteidigt.

1866 - Preußische Truppen rßcken nach der Schlacht von Königgrätz (3.Juli) in Hanau am 16.7. ein. Kurhessen und Nassau werden zur preußischen Provinz.

1873 - Fertigstellung der Mainbrücke zwischen Hanau und Steinheim.

1875 - In der Bulau wird eine Pulverfabrik errichtet.

1893 - Am 23. März wird in der Gaststätte "Mohr" an der Krämerstraße der 1. Hanauer Fußball Club 1893 gegründet. Neben dem VfB Stuttgart, der im gleichen Jahr gegrßndet wurde, handelt es sich um den ältesten Fussballverein Süddeutschlands.

1895 - Geburt von Paul Hindemith.

1896 - Einweihung des Brßder Grimm-Denkmals auf dem Neustädter Markt.

1897 - Anläßlich des 300-jährigen Bestehens der Neustadt Hanau wird dem Grßnder, Graf Philipp Ludwig II. von Hanau-Mßnzenberg, ein Denkmal (hinter der niederländisch-wallonischen Kirche) gesetzt.

1907 bis 1908 Am 28. März 1907 wurde die Hanauer Straßenbahn AG gegrßndet. Sie nahm in der Jahresmitte 1908 den Betrieb mit zunächst zwei Linien und einem Streckennetz von 5,2 km auf.

1918 - Bildung eines Arbeiter- und Soldatenrats. Sozialisten besetzen das Kreisgebäude.

1919 - Regierungstruppen bringen Hanau unter Regierungsgewalt.

1920 - Französische Truppen besetzen Hanau.

1933 - Machtübernahme der Nationalsozialisten. Ende der demokratischen Stadtverwaltung. 1940 wird auch der Geschichtsverein vom NS-Bßrgermeister "gleichgeschaltet".

1942 - Das Altstädter Rathaus wird zum Deutschen Goldschmiedehaus umfunktioniert. Die Sammlungen des HGV in den Räumen kommen ins Stadtschloss, wo ein Großteil, besonders die römerzeitlichen sowie die vor- und frßhgeschichtlichen Fundstücke aus dem Altkreis Hanau am 6. Januar 1945 zusammen mit Teilen der Bibliothek verbrennt.

1945 - Nachdem die Stadt schon am 6. Januar schwer von Bomben getroffen wurde (Stadtschloss), legten alliierte Bomber in den Morgenstunden des 19. März Hanau in Schutt und Asche - zehn Tage vor dem Einmarsch der Amerikaner. Besonders die Innenstadt wurde schwer mitgenommen. Die Aufzählung der Schäden allein an der historischen Substanz wßrde diesen Rahmen sprengen - ganz zu schweigen von den menschlichen Tragödien. Die Einwohnerzahl sinkt unter 10.000. Hanau hatte seine bedeutendsten Denkmäler verloren, von denen in der Folgezeit trotz des Engagements des HGV nur ein Teil wiederaufgebaut wurde. Die Altstadt Hanau hat heute ihr mittelalterliches Gesicht völlig verloren. Die Ruinen des Stadtschlosses, des Zeughauses und des Stadttheaters wurden abgerissen, ebenso viele Reste der Stadtbefestigung. Eine Hälfte der wallonisch-niederländischen Doppelkirche steht bis heute als Ruine.

Sehenswürdigkeiten:
Bekannte Sehenswßrdigkeiten sind das Deutsche Goldschmiedehaus (ehemals Altstädter Rathaus), die Marienkirche in der Altstadt, das Schloss Phillippsuhe am Mainufer und die historische Kuranlage Willhelmsbad. Im Schloss Phillippsruhe befindet sich ein Standesamt und das Historische Museum Hanau; eine archäologische Dependance ist im Schloss Steinheim. Die Kuranlage Wilhelmsbad, eine nahezu unversehrt erhaltene Anlage aus dem Ende des 18. Jahrhunderts, mit ihrem historischen Karussell, dem Comoedienhaus und dem Hessischen Puppenmuseum befindet sich in einem weitläufigen Park am westlichen Stadtrand.

Kuranlage:
Die Kuranlage ist eines der beliebtesten Naherholungsziele im Rhein-Main-Gebiet.

Wildpark:
Der traditionsreiche Wildpark Alte Fasanerie liegt im Ortsteil Klein-Auheim.

Der Marktplatz:
Auf dem Marktplatz steht das Nationaldenkmal der Brßder Grimm, unmittelbar vor dem Neudtädter Rathaus. Das Denkmal ist ein Werk des Berliner Bildhauers Syrius Eberle; die Architektur entwarf der Architekt Friedrich Ritter von Thiesch. In der Nähe befindet sich die Wallonische-Niederländische Kirche, Grßndungsort des Deutschen Turnerbundes.

Die Märchenstrasse:
Die Deutsche Märchenstraße beginnt in Hanau und endet in Bremen. Durch Hanau verläuft die Deutsche Limesstraße, durch Steinheim die Deutsche Fachwerkstraße. Außerdem ist Steinheim der Ausgangspunkt der hessischen Apfelwein- und Obstwiesenroute. Während der Adventszeit ist hier bei einem Spaziergang auf dem Weihnachtsmarkt Hessens größter Adventskalender zu betrachten: Die 24 Fenster des Neustädter Rathauses sind mit strahlenden Bildern von Künstlern geschmückt, die sich nach und nach bis zum Heiligabend offenbaren.

Märkte und Feste:

Wochenmarkt:
Der Hanauer Wochenmarkt, der zweimal in der Woche stattfindet (Mittwochs und Samstags), ist noch aus dem Mittelalter tradiert. Er findet auf dem Neustädter Marktplatz statt und wird heute vom Lebensmittelangebot dominiert, das meist von Landwirten aus der Umgebung stammt. Er soll der größte Wochenmarkt Hessens sein.

Bergerfest:
Entstanden 1958 auf Initiative des damaligen Hanauer Oberbßrgermeisters Heinrich Fischer, um an die Aufbauleistung der Hanauer Bßrgerinnen und Bßrger nach dem Zweiten Weltkrieg zu erinnern. Es wird seit einigen Jahren im September auf den Mainwiesen nahe Schloss Philippsruhe gefeiert. Der traditionelle Festplatz war bis in die neunziger Jahre der Schlosspark Philippsruhe, in dem die Zelte Hanauer Vereine aufgebaut wurden. Wegen erheblicher Schäden, die dabei jedes Jahr dem historischen Park, einem Kulturdenkmal, zugefßgt wurden, ist das Festgelände verlegt worden. 2002 und 2003 fiel das Fest aus, da die Stadt die Kosten sparen wollte.

Lamboyfest:
1635 bis 1636 wurde Hanau von kaiserlichen Truppen unter General Lamboy belagert. Hierbei bewährte sich das erst wenige Jahre zuvor errichtete, moderne Befestigungssystem. Tausende waren aus den umliegenden Ortschaften in die Stadt geflohen, es herrschten furchtbare Zustände. Im Juni 1636 beendete ein hessisch-schwedisches Entsatzheer unter Landgraf Wilhelm V. von Hessen-Kassel (1627-1637) die neunmonatige Belagerung. Wilhelm V. von Hessen-Kassel war mit einer Tochter von Graf Philipp Ludwig II., Amalie Elisabeth, verheiratet. Seitdem wurden jährlich Dankgottesdienste abgehalten, aus denen sich ab 1800 das Lamboyfest entwickelte. Zunächst wurde es im Lamboywald gefeiert, der zum Teil das Gebiet einnahm, in dem sich heute das Lamboy-Viertel erstreckt. Seit einigen Jahren findet die Veranstaltung in der historischen Altstadt um das Goldschmiedehaus statt.

Johannisfeuer und Altstadtfest:
Am Vorabend des Namenstages des Steinheimer Schutzpatrons Johannes, dem 23. Juni wird im Stadtteil Steinheim das Johannisfeuer angezßndet. Seit Jahrzehnten wird das Ereignis unter der Leitung des Steinheimer Geschichtsvereins gefeiert. Seit einigen Jahren wird das Steinheimer Johannisfeuer zum Anlass genommen, das Altstadtfest zu feiern. Unter organisatorischer Leitung der Interessengemeinschaft Steinheimer Vereine und Verbände“ (IGSV), bewirten die ortsansässigen Vereine in der gesamten Steinheimer Altstadt die Besucher.

Traditionell ist eine Ausnahme der Termingestaltung: so findet das Johannisfeuer niemals an einem Wochenende statt. Fällt der 23. Juni auf einen Samstag, so findet die Feier freitags statt; ist es ein Sonntag, wird das Feuer erst am Montag entzßndet.